Kleinanzeigen-Betrug: Fake-Käufer erkennen, bevor es teuer wird
Kleinanzeigen-Betrug folgt einem Muster: Er braucht immer einen Weg aus der Plattform heraus. So erkennst du Fake-Käufer und Fake-Angebote und reagierst richtig.
Ein Veranstaltungstechniker aus Wuppertal stellt ein gebrauchtes T-Shirt bei Kleinanzeigen ein. Kurz darauf meldet sich ein freundlicher Käufer, der gern per PayPal zahlen möchte und dafür die Mailadresse braucht. Wenig später heißt es, der Kauf sei schon über „Sicher bezahlen“ abgewickelt, er möge nur noch sein Auszahlungskonto bestätigen. In seinem Postfach liegt eine passende Mail. Ein Chatbot führt ihn durch eine „Testüberweisung“ und nennt ihm eine Zahl zum Abgleich, 1888. Er tippt sie ein. Es war der Betrag, und 1.888 Euro sind weg. So hat es das WDR-Magazin Markt im Februar 2026 rekonstruiert.
Ein T-Shirt, fast zweitausend Euro. Typisch an diesem Kleinanzeigen-Betrug ist weder die Summe noch die Ware. Typisch ist der Moment, in dem das Opfer die App verlassen hat, ohne es zu merken. Fast jede Masche auf Kleinanzeigen braucht genau so einen Moment, und wer weiß, wonach er suchen muss, erkennt den Betrug, bevor er die Geschichte dahinter verstanden hat.
Warum Kleinanzeigen-Betrug fast immer gleich funktioniert
Innerhalb der Plattform gibt es einiges, das gegen Betrug hilft. Der Chat läuft über Kleinanzeigen, das Unternehmen erkennt dort nach eigener Aussage betrügerische Nachrichten und blendet Warnungen ein, wenn jemand private Daten austauschen will. Bei „Sicher bezahlen“ liegt das Geld treuhänderisch beim Zahlungsdienstleister Adyen, der eine Lizenz der niederländischen Zentralbank hat, bis der Käufer den Erhalt bestätigt. Und wer beim Abholen bar bezahlt, tauscht Ware gegen Geld in derselben Minute. Die Kleinanzeigen-Hilfe nennt die Abholung deshalb den sichersten Weg.
Das wissen die Täter. Ihre Arbeit besteht also vor allem darin, dich aus diesem Raum herauszuholen. Dafür gibt es im Kern drei Ausgänge:
- Ein anderer Kanal. Weiter per WhatsApp, SMS oder E-Mail, „geht schneller“. Dort fehlen die Warnungen, und gefälschte Absender fallen weniger auf.
- Eine andere Zahlung. Überweisung statt „Sicher bezahlen“, PayPal an „Freunde und Familie“, Gutscheinkarte, Geldtransfer ins Ausland.
- Eine andere Seite. Ein Link oder QR-Code, der auf eine nachgebaute Kleinanzeigen-, PayPal- oder Paketdienst-Seite führt.
Meist kommen zwei davon zusammen. Im Fall aus Wuppertal waren es sogar alle drei: erst die Mailadresse, dann die Mail mit dem Link, dann eine Zahlung, die gar keine Einnahme war. Die Meta-Hilfe zu Facebook Marketplace beschreibt dasselbe Prinzip mit fast denselben Worten. Gespräche, die aus dem Messenger verlagert werden, erschweren es, Betrug zu erkennen. Das Problem betrifft also nicht nur eine Plattform. So funktioniert Betrug zwischen Fremden im Netz überhaupt.
Fake-Käufer erkennen: die Maschen gegen Verkäufer
Wer verkauft, hat etwas, das die Täter wollen, und das ist selten die Ware. Sie wollen deine Kartendaten, dein Onlinebanking oder deine Telefonnummer. Die Anfragen kommen oft sehr schnell nach dem Einstellen, sind freundlich und unpersönlich zugleich und fragen kaum etwas über den Artikel. Der IT-Sicherheitsforscher Matthias Wübbeling von der Universität Bonn hat für den WDR testweise zwei Artikel eingestellt und bekam so schnelle Antworten, dass er dahinter eher einen Chatbot als einen Menschen vermutete.
Die falsche „Sicher bezahlen“-Mail. Der Käufer will per PayPal zahlen oder „lieber per Mail weiterschreiben“ und bittet um deine Adresse. Danach meldet er, das Geld sei überwiesen, du sollst in dein Postfach schauen. Dort wartet eine Mail, die aussieht wie von Kleinanzeigen, mit Logo, Farben und dem Hinweis, du müsstest nur noch deine Daten bestätigen, um die Auszahlung zu erhalten. Der Link führt auf eine nachgebaute Seite, auf der Kartendaten, Bankzugang oder eine „Verifizierungsüberweisung“ abgefragt werden. Die Kleinanzeigen-Hilfe zählt genau diese Mails zu den häufigsten Phishing-Formen und stellt klar: Echte Mails kommen von einer Adresse auf @kleinanzeigen.de, und Zahlungsaufforderungen per Mail verschickt die Plattform überhaupt nicht.
Der SMS-Code. Eine Variante, die die Plattform aktuell beschreibt: Eine Nachricht behauptet, die Zahlung sei schon erfolgt, zur finalen Bestätigung müsse nur noch ein per SMS geschickter Code eingegeben oder die Handynummer angegeben werden. Kleinanzeigen fordert dich nach eigener Aussage niemals auf, SMS-Codes einzugeben, um eine Zahlung zu bestätigen. Ein Code, den du nicht selbst angefordert hast, gehört grundsätzlich niemandem, mehr dazu steht in unserem Text über SIM-Swapping.
Der QR-Code. Statt eines Links schickt der Käufer das Bild einer angeblichen Zahlungsbestätigung mit QR-Code, den du scannen sollst, um „Sicher bezahlen“ einzurichten oder dein Geld abzuholen. Die Verbraucherzentrale Hamburg beschreibt das Ziel: Auf der Seite hinter dem Code landen deine Kartendaten. Warum QR-Codes so gut zum Verstecken von Links taugen, steht in unserem Artikel über Quishing.
Die angeblich gescheiterte Kartenzahlung. Der Käufer meldet, seine Kreditkartenzahlung sei fehlgeschlagen, kurz darauf kommt eine Nachricht scheinbar vom Portal mit einem Link, auf dem du deine Kartendaten samt Prüfziffer eingeben sollst, damit die Zahlung durchgehen kann. Als Verkäufer musst du aber nie Kartendaten eingeben, um Geld zu empfangen. Wer danach fragt, will an dein Geld.
Spedition, Überzahlung, Gutscheinkarte. Ältere, aber nicht verschwundene Maschen laufen über eine Geschichte aus dem Ausland. Der Käufer kann nicht selbst abholen und schickt eine Spedition, deren Kosten du vorstrecken sollst, oder er zahlt angeblich zu viel und bittet um Rückzahlung der Differenz, oder er möchte dem Paket eine Gutscheinkarte als Geschenk beilegen, die du besorgen und deren Code du vorab schicken sollst. Die Verbraucherzentrale Hamburg führt alle drei. Gemeinsam ist ihnen, dass Geld von dir zu ihm fließt, bevor du selbst etwas Echtes bekommen hast.
| Masche | Welcher Ausgang | Woran du sie erkennst |
|---|---|---|
| Falsche „Sicher bezahlen“-Mail | Kanal (Mail) und Seite (Link) | Käufer will deine Mailadresse, danach „schau in dein Postfach“, Absender nicht @kleinanzeigen.de |
| SMS-Code zur „Bestätigung“ | Kanal (SMS) | Code kommt unaufgefordert, jemand will ihn haben |
| QR-Code als Zahlungsbeleg | Seite | Bild statt Zahlung, Code soll gescannt werden |
| Gescheiterte Kartenzahlung | Seite | Du sollst als Verkäufer Kartendaten eingeben |
| Spedition, Überzahlung, Gutschein | Zahlung | Du sollst vorab Geld oder Codes herausgeben |
| PayPal „Freunde und Familie“ | Zahlung | Zahlung ohne Schutz, im schlimmsten Fall von einem gehackten Konto |
Betrug als Käufer: wenn das Angebot zu gut ist
Auf der Käuferseite ist das Muster einfacher, weil du das Geld hast und der Täter es will. Die Geschichte dazu klingt fast immer so, dass eine Abholung leider nicht geht. Der Verkäufer ist angeblich unterwegs, gerade umgezogen oder im Ausland. Die Kleinanzeigen-Hilfe nennt „bin unterwegs“ ausdrücklich als typische Ausrede. Dazu kommt ein Preis, der deutlich unter dem üblichen liegt, und Zeitdruck, weil es angeblich viele Interessenten gibt.
Vorkasse per Überweisung. Der Klassiker. Bezahlt wird vorab auf ein Konto, die Ware kommt nie. Eine Überweisung hat keinen Käuferschutz und lässt sich nicht einfach zurückbuchen. Die Bank kann höchstens versuchen, sie zurückzuholen, und das klappt nur, wenn man sehr schnell ist. Die Verbraucherzentrale Hamburg rät zu Misstrauen, wenn Ort und Bankverbindung nicht zusammenpassen, ihr Beispiel ist ein Verkäufer aus Hamburg mit spanischer IBAN. Die Kleinanzeigen-Hilfe empfiehlt denselben Abgleich und zusätzlich, ob der Name auf der IBAN zum Profil passt.
PayPal an „Freunde und Familie“. Der Verkäufer bittet um diese Option, meist mit dem Hinweis, das spare Gebühren. Für dich heißt das: Die Käuferschutzrichtlinie von PayPal nimmt persönliche Zahlungen, ausdrücklich auch solche über „Freunde und Familie“, vom Schutz aus. Kommt nichts an, gibt es keinen Konflikt, den du eröffnen kannst. Nebenbei verbieten PayPals Nutzungsbedingungen, eine persönliche Zahlung für ein Geschäft überhaupt anzufordern.
Gehackte Konten und gestohlene Fotos. Ein Profil mit langer Geschichte und guten Bewertungen bietet plötzlich viele teure Artikel an, oft aus einer ganz anderen Ecke als bisher, und schreibt anders als früher. Das deutet laut Kleinanzeigen-Hilfe auf ein übernommenes Konto. Die Bilder zu solchen Angeboten sind oft zu perfekt und stammen aus anderen Anzeigen oder Shops. Eine Bilder-Rückwärtssuche mit einem der Fotos findet sie oft in wenigen Sekunden. Die Plattform empfiehlt außerdem, um ein aktuelles Foto der Ware mit einem handgeschriebenen Zettel zu bitten. Wer das verweigert, hat die Ware vermutlich nicht.
Der Dreiecksbetrug. Dieser Fall ist der unangenehmste, weil er ehrliche Menschen gegeneinander ausspielt. Die Verbraucherzentrale Hamburg beschreibt ihn aus beiden Richtungen. Als Käufer überweist du auf Kontodaten, die die Täter untergeschoben haben, und dein Geld landet bei einer dritten Person, die oft nicht auffindbar ist. Als Verkäufer bekommst du eine echte Zahlung, nur stammt sie von einem gehackten Konto oder von jemandem, der selbst getäuscht wurde. Du verschickst die Ware, häufig an eine Packstation, und später wird das Geld zurückgefordert. Die Ware ist dann beim Täter, der selbst nichts bezahlt hat.
Für Verkäufer ist es deshalb ein Warnzeichen, wenn der Name auf der eingehenden Überweisung nicht zu der Person passt, mit der du schreibst, oder wenn die Ware an eine fremde Adresse gehen soll. Mit „Sicher bezahlen“ oder Barzahlung bei Abholung läuft der Trick ins Leere.
Welche Daten du beim Handeln herausgibst
Bei Kleinanzeigen tauscht man mit Fremden Dinge, und dabei wandern Daten, an die man selten denkt. Für die meisten Maschen sind diese Daten der eigentliche Gewinn oder das Werkzeug.
Deine Mailadresse. Sie macht die gefälschte Zahlungsmail erst möglich. Die Kleinanzeigen-Hilfe warnt außerdem, dass eine weitergegebene Adresse zu weiteren Spam- und Phishingwellen führen kann. Wer einmal geantwortet hat, steht auf einer Liste.
Deine Handynummer. Sie öffnet den Weg zu WhatsApp und SMS, also zu Kanälen ohne Plattformschutz. In den USA beschreibt die Verbraucherschutzbehörde FTC eine Masche, bei der Betrüger Verkäufern einen Bestätigungscode schicken und ihn „zur Kontrolle, dass du echt bist“ zurückverlangen. Mit dem Code hängen sie eine Telefonnummer an deine Nummer und betrügen damit andere. Hierzulande ist der Code-Trick vor allem als SMS-Code zur angeblichen Zahlungsbestätigung bekannt.
Name und IBAN. Wer per Überweisung verkauft, gibt beides heraus. Das ist an sich normal, aber es ist genau der Rohstoff für den Dreiecksbetrug, in dem deine Kontodaten einem Dritten als Zahlungsziel genannt werden.
Adresse und Fotos. Deine Adresse beim Abholtermin, deine Fotos in der Anzeige. Kleinanzeigen schreibt in seiner Hilfe, dass bei Missbrauch von Telefonnummer, Adresse oder Fotos die Daten auf Meldung hin gelöscht und das betreffende Konto gesperrt werden. Eigene Fotos mit einem dezenten Wasserzeichen machen es Kopisten zumindest schwerer, das empfiehlt die Plattform selbst.
Nichts davon heißt, dass man diese Daten nie herausgeben darf. Aber wer sie herausgibt, sollte wissen, wofür. Für einen Kauf mit „Sicher bezahlen“ braucht die Gegenseite weder deine Mail noch deine Nummer.
„Sicher bezahlen“: was es schützt und was nicht
„Sicher bezahlen“ ist das Bezahlsystem von Kleinanzeigen für Versandkäufe. Der Käufer klickt in der Anzeige auf „Direkt kaufen“ oder macht im Chat ein Angebot, bezahlt, und das Geld wird bei Adyen verwahrt. Der Verkäufer hat 48 Stunden, um die Verfügbarkeit zu bestätigen, verschickt dann, und der Käufer hat 14 Tage ab Versand, um den Erhalt zu bestätigen oder ein Problem zu melden. Für den Käufer kostet das laut Hilfe (Stand Oktober 2026) eine Servicegebühr von 0,50 Euro plus 4,5 Prozent des Kaufpreises. PayPal wird inzwischen schrittweise als Zahlungsmethode innerhalb von „Sicher bezahlen“ eingeführt.
Der Käuferschutz greift, wenn der Artikel nicht verschickt wurde, stark von der Beschreibung abweicht, gefälscht oder falsch beziehungsweise unvollständig ist. Er greift nur bei Versand innerhalb Deutschlands. Ausgenommen sind unter anderem digitale Güter wie Tickets, verderbliche Ware, normale Gebrauchsspuren und Fälle, in denen du die Auszahlung schon freigegeben hast.
Wichtiger als jede Klausel ist ein Satz aus der Hilfe: Die Funktion ist ausschließlich in die Nachrichten auf Kleinanzeigen eingebaut. Die Bestätigung über eine Zahlung siehst du in deiner Kleinanzeigen-Nachrichtenbox. Eine PayPal-Zahlung, die du mit dem Gegenüber privat im Chat absprichst, gehört nicht dazu und fällt nicht unter den Kleinanzeigen-Käuferschutz. Die Fälle, über die WDR, Verbraucherzentrale und Deutschland sicher im Netz berichtet haben, haben mit der Funktion selbst nichts zu tun. Missbraucht wird ihr Name, die Funktion bleibt unberührt.
| Zahlungsweg | Schutz für den Käufer | Hinweis |
|---|---|---|
| Bar bei Abholung | Du siehst die Ware vor dem Zahlen | Laut Kleinanzeigen der sicherste Weg |
| „Sicher bezahlen“ (auch mit PayPal darin) | Kleinanzeigen-Käuferschutz, Geld treuhänderisch | Nur im Chat, nur Versand innerhalb Deutschlands |
| PayPal „Waren und Dienstleistungen“, privat vereinbart | PayPal-Käuferschutz | Nicht Teil des Kleinanzeigen-Käuferschutzes, bei Abholung kein Schutz für „nicht erhalten“ |
| Kreditkarte | Rückbuchung über die Bank möglich | Nur über echte Bezahlseiten, nie über Links aus Chats |
| Überweisung | Keiner | Nur wenn du dir sehr sicher bist |
| PayPal „Freunde und Familie“ | Keiner | Persönliche Zahlungen sind ausgeschlossen |
| Gutscheinkarten, Krypto, Geldtransfer | Keiner | Bei Kleinanzeigen immer ein Warnzeichen |
Fünf Prüfungen vor dem Kauf oder Verkauf
Die folgenden Schritte kosten ein paar Minuten und decken die meisten Maschen ab. Sie stammen im Kern aus der Kleinanzeigen-Hilfe und den Hinweisen der Verbraucherzentrale, ergänzt um das, was aus unserer Sicht die Daten betrifft.
- Bleibst du im Chat? Jede Bitte um Mail, Telefonnummer oder WhatsApp ist ein Grund, langsamer zu werden. Wenn das Geschäft ohne Kanalwechsel nicht zustande kommt, lass es.
- Wo kommt die Nachricht her? Echte Mails stammen von @kleinanzeigen.de. Prüf die Absenderadresse vollständig, nicht nur den angezeigten Namen. Noch besser: Öffne bei jeder Meldung über eine Zahlung oder Sperre die App oder tipp kleinanzeigen.de selbst ein und schau dort nach. Mehr zu gefälschten Absendern in unserem Text über Phishing-Mails.
- Passt das Profil? Seit wann gibt es das Konto, was hat es bisher verkauft, passt der Schreibstil? Viele neue, teure Anzeigen in einem alten Profil sind ein Warnzeichen.
- Passen Bilder, Ort und Bank? Ein Foto durch die Bildersuche schicken, den Ort der Anzeige mit dem Sitz der Bank abgleichen, den Namen auf der IBAN mit dem Profil.
- Gibt es einen Weg mit Schutz? Abholung mit Barzahlung oder „Sicher bezahlen“. Wer beides ohne gute Begründung ablehnt und nur Überweisung oder „Freunde und Familie“ akzeptiert, hat in aller Regel einen Grund dafür.
Zwei Regeln für Verkäufer gehören noch dazu. Du musst nie Kartendaten oder Onlinebanking-Zugänge eingeben, um Geld zu bekommen. Und du verschickst erst, wenn das Geld wirklich da ist, sichtbar in deinem Konto oder in der Kleinanzeigen- Nachrichtenbox. Ein Screenshot einer Zahlung ist kein Zahlungseingang.
Kleinanzeigen-Betrug melden und was jetzt zu tun ist
Wenn du auf einer Fake-Seite Daten eingegeben oder Geld verloren hast, zählt die Reihenfolge. Scham ist dabei eine schlechte Beraterin, denn die Masche ist auf Menschen gemacht, die normal und freundlich handeln.
- Bank oder Kartenanbieter sofort anrufen. Karte sperren lassen, wenn Kartendaten eingegeben wurden, und bei Überweisungen fragen, ob sich die Buchung noch stoppen oder zurückrufen lässt. Über den Sperr-Notruf 116 116 lassen sich viele Karten rund um die Uhr sperren. Im WDR-Fall war es Wochenende und die Bank nicht erreichbar, auch deshalb lohnt es sich, die Notfallnummer der eigenen Bank vorher zu kennen.
- Passwort ändern. Wenn du auf einer nachgebauten Kleinanzeigen-Seite deine Zugangsdaten eingegeben hast, das Passwort direkt über kleinanzeigen.de ändern und prüfen, ob es woanders auch verwendet wird. Woran du merkst, dass ein Konto schon übernommen ist, steht in unserem Text Wurde ich gehackt?.
- Kleinanzeigen-Betrug melden. Die Anzeige oder das Profil über den Melden-Knopf direkt in der Anzeige, verdächtige Links mit genauer Adresse über das Phishing-Formular in der Hilfe. Bei Zahlungen über „Sicher bezahlen“ das Problem in der Nachrichtenbox zur Transaktion melden.
- Beweise sichern. Screenshots vom Chatverlauf, der Anzeige, dem Profil, den Zahlungsdaten und gegebenenfalls der Fake-Seite samt Adresszeile. Mails nicht löschen.
- Anzeige bei der Polizei. Online über die Internetwache der Polizei deines Bundeslandes oder auf jeder Dienststelle. Die Kleinanzeigen-Hilfe empfiehlt, auch einen Versuch zu melden, weil Muster so schneller erkannt werden.
Fazit
Die Liste der Maschen bei Kleinanzeigen wird jedes Jahr länger, und kein Mensch muss sie auswendig kennen. Es reicht eine Frage, die man sich bei jeder ungewöhnlichen Nachricht stellt: Will mich gerade jemand aus der Plattform holen, auf einen anderen Kanal, zu einer anderen Zahlung oder auf eine andere Seite? Wenn ja, bleib drin. Die meisten Täter verlieren dann das Interesse, weil ihr Werkzeug außerhalb liegt. Und wer trotzdem hereingefallen ist, ruft zuerst die Bank an und schämt sich später, wenn überhaupt.
Häufige Fragen
- Woran erkenne ich einen Fake-Käufer bei Kleinanzeigen?
- Am deutlichsten daran, dass er dich aus dem Kleinanzeigen-Chat herausholen will. Typisch sind die Bitte um deine E-Mail-Adresse oder Handynummer, angeblich für PayPal, dann eine Nachricht, du sollst in dein Postfach schauen, weil die Zahlung schon da sei. Dazu kommen sehr schnelle, unpersönliche Antworten, kein Interesse am Zustand der Ware und Zeitdruck. Eine echte Zahlung über „Sicher bezahlen“ siehst du in deiner Kleinanzeigen-Nachrichtenbox, nie nur in einer Mail oder SMS.
- Ist „Sicher bezahlen“ bei Kleinanzeigen wirklich sicher?
- Für das, wofür es gebaut ist, ja: Der Kaufpreis liegt bei einem lizenzierten Zahlungsdienstleister, bis der Käufer den Erhalt bestätigt, und es gibt einen Käuferschutz für Versand innerhalb Deutschlands. Die bekannt gewordenen Betrugsfälle mit „Sicher bezahlen“ haben mit der echten Funktion nichts zu tun. Die Täter benutzen nur den Namen und schicken gefälschte Mails oder Links. Die echte Funktion läuft ausschließlich im Chat auf Kleinanzeigen.
- Warum will ein Käufer meine E-Mail-Adresse?
- Fast immer, um dir eine gefälschte Zahlungsbestätigung im Namen von Kleinanzeigen oder PayPal zu schicken. Mit der Adresse in der Hand wissen die Täter genau, wohin die Phishing-Mail muss, und sie wirkt dann wie die Antwort auf etwas, das du selbst angestoßen hast. Für einen Kauf über die Plattform braucht niemand deine Adresse.
- Bekomme ich mein Geld zurück, wenn ich bei Kleinanzeigen betrogen wurde?
- Das hängt fast nur vom Zahlungsweg und vom Tempo ab. Bei „Sicher bezahlen“ greift der Käuferschutz, bei PayPal „Waren und Dienstleistungen“ der PayPal-Käuferschutz. Bei einer Überweisung oder bei Kartendaten auf einer Fake-Seite sofort die Bank anrufen, manchmal lässt sich eine Buchung noch stoppen oder zurückholen. Bei PayPal „Freunde und Familie“, Gutscheinkarten oder Krypto sind die Chancen gering.
- Wie melde ich Betrug bei Kleinanzeigen?
- Die Anzeige oder das Profil direkt über den Melden-Knopf in der Anzeige melden, verdächtige Links über das Phishing-Formular in der Kleinanzeigen-Hilfe. Ist Geld geflossen, zusätzlich Anzeige bei der Polizei erstatten, online über die Internetwache der Landespolizei oder auf jeder Dienststelle. Vorher Screenshots vom Chat, der Anzeige und den Zahlungsdaten sichern.
- Ist PayPal „Freunde und Familie“ bei Kleinanzeigen gefährlich?
- Für Käufer ja, weil PayPal persönliche Zahlungen ausdrücklich vom Käuferschutz ausnimmt. Kommt die Ware nicht, gibt es keinen Konflikt, über den du dein Geld zurückholen kannst. Für Verkäufer ist es ebenfalls riskant, wenn das Geld von einem gehackten PayPal-Konto stammt, denn dann kann es zurückgefordert werden, während die Ware schon unterwegs ist.