Metadaten — was deine Dateien über dich verraten

Metadaten sind Daten über Daten. Warum sie dich verraten, zeigen drei reale Fälle: ein Foto, eine Diskette und ein Satz des früheren NSA-Chefs.

Ein einzelnes Foto auf dunklem Grund, an dessen Rändern feine helle Linien und Markierungen aufscheinen, die vorher unsichtbar waren

Jedes Lexikon erklärt dir, was Metadaten sind. Daten über Daten, sagt die Definition, und damit endet der Eintrag meist. Was dabei unter den Tisch fällt, ist die eigentlich interessante Frage: Warum verraten sie dich? Warum reicht das Drumherum einer Datei, um einen Flüchtigen zu orten, einen Serienmörder nach dreißig Jahren zu identifizieren und ein Tötungsziel auszuwählen? Genau darum geht es hier.

Wir klären die Definition kurz und sauber. Danach schauen wir uns drei Fälle an, in denen unscheinbare Randdaten mehr preisgaben als jeder Inhalt, gehen durch die Dateitypen, an denen sie kleben, und enden bei dem, was du dagegen tun kannst.

Was sind Metadaten?

Metadaten beschreiben nicht den Inhalt einer Datei, sondern die Umstände ihrer Entstehung. Ein Brief ist der Inhalt. Der Umschlag mit Absender, Empfänger, Poststempel und Datum ist die Metaebene, und die kannst du lesen, ohne den Umschlag jemals zu öffnen.

Der entscheidende Punkt ist die Automatik. Metadaten musst du nirgends eintragen, sie entstehen von selbst. Deine Kamera notiert Modell, Belichtungszeit und Sekunde der Aufnahme, dein Textprogramm hinterlegt den Benutzernamen aus der Installation, dein Mailserver hängt eine Wegbeschreibung an jede Nachricht. Diese Angaben sind nicht versteckt im Sinne einer Täuschung, sie werden nur nirgends angezeigt. Wer nicht danach sucht, sieht sie nie, und wer danach sucht, findet oft mehr, als der Absender ahnt.

Drei Fälle, in denen das Drumherum reichte

Die Theorie überzeugt selten. Die folgenden drei Vorfälle sind gut dokumentiert und zeigen, was Metadaten anrichten können, wenn niemand an sie denkt.

Ein Foto, das einen Aufenthaltsort verriet

Anfang Dezember 2012 war John McAfee, Gründer der gleichnamigen Antiviren-Firma, auf der Flucht vor den Behörden in Belize. Das Magazin Vice begleitete ihn und veröffentlichte am 3. Dezember einen Beitrag mit der triumphalen Überschrift, man sei bei McAfee. Dazu ein Foto, aufgenommen mit einem iPhone.

Eine dunkle Landkarte, auf der ein einzelner heller Punkt aufleuchtet, umgeben von feinen konzentrischen Ringen
Ein Bild, ein Punkt auf der Karte. Die Koordinaten reisten unsichtbar mit.

Die Redaktion hatte die EXIF-Daten im Bild gelassen. Darin standen die GPS-Koordinaten des Aufnahmeorts, und innerhalb weniger Stunden hatten aufmerksame Leser sie ausgelesen und einer Stelle in Guatemala nahe der Grenze zu Belize zugeordnet. McAfee hatte behauptet, das Land nie verlassen zu haben. Kurz darauf erklärte er, er habe die Daten selbst manipuliert, um Verfolger in die Irre zu führen, doch wenige Tage später wurde er in Guatemala festgenommen. Der Text des Artikels verriet nichts über seinen Standort. Das Foto tat es.

Eine Diskette, die einen Namen trug

Von 1974 an tötete in Wichita, Kansas, ein Mann, der sich selbst BTK nannte und über Jahrzehnte Briefe an Polizei und Presse schickte. Der Fall lag lange kalt. Kurz vor seiner Enttarnung fragte der Täter in einer seiner Nachrichten, ob er sicher über eine Diskette kommunizieren könne, ohne dass man ihn zum Rechner zurückverfolge. Die Polizei antwortete öffentlich mit Ja.

Eine einzelne alte Diskette auf dunklem Untergrund, aus deren Schlitz ein schmaler Lichtstreif dringt
Der Inhalt war belanglos. Die Spur lag in den Feldern daneben.

Im Februar 2005 traf die Diskette ein. Sie enthielt eine gelöschte Word-Datei, deren Metadaten den Dienst der Ermittler taten: Als Organisation war “Christ Lutheran Church” eingetragen, als letzter Bearbeiter ein “Dennis”. Eine Internetsuche führte zur Gemeinde in Park City und dort zum Vorsitzenden des Gemeinderats, Dennis Rader. Ein DNA-Abgleich bestätigte den Verdacht, im Februar 2005 wurde Rader festgenommen. Rund dreißig Jahre Ermittlung endeten an zwei Feldern, die ein Textprogramm ungefragt ausgefüllt hatte.

Ein Satz, der die Frage beantwortet

Bleibt der Einwand, all das seien Ausrutscher von Leuten, die es besser hätten wissen müssen. Dagegen steht ein Satz, der 2014 an der Johns Hopkins University fiel. Der frühere Direktor von NSA und CIA, Michael Hayden, diskutierte mit dem Juristen David Cole über die Massenerfassung von Verbindungsdaten. Cole argumentierte, Metadaten seien außerordentlich aufschlussreich. Hayden stimmte zu und setzte noch einen drauf: “We kill people based on metadata.”

Der Satz ist deshalb so hart, weil er die übliche Beschwichtigung zerlegt. Es hieß jahrelang, man lese ja keine Inhalte, man erfasse nur, wer wann mit wem gesprochen habe. Hayden bestätigte, dass genau dieses Drumherum als Grundlage für tödliche Entscheidungen ausreicht. Wer Zeitpunkte, Orte, Gesprächspartner und Häufigkeiten eines Menschen über Monate sammelt, braucht seine Worte nicht mehr.

Wo Metadaten überall kleben

Fast jedes Format schleppt seine eigene Sorte mit. Ein Überblick über die Stellen, an denen im Alltag am meisten anfällt.

Fotos sind der ergiebigste Fall. Der EXIF-Block hält Kameramodell und Seriennummer, Objektiv, Belichtungswerte, Datum und Uhrzeit auf die Sekunde genau und, sofern die Ortung aktiv war, die Koordinaten. Aus einer Handvoll Urlaubsbilder lässt sich eine Reiseroute rekonstruieren, aus Bildern vom Balkon die Wohnadresse. Viele soziale Netzwerke entfernen den Block beim Hochladen, darauf ist aber kein Verlass, und beim Versand über Messenger, Cloud-Ordner oder E-Mail bleibt er in aller Regel erhalten.

Office-Dokumente sind die zweite große Quelle. Word, Excel und ihre Verwandten speichern den Autorennamen, die bei der Installation eingetragene Firma, Erstellungs- und Änderungsdatum sowie die kumulierte Bearbeitungszeit. Dazu kommen je nach Einstellung frühere Fassungen, Kommentare und Änderungen mit Namenszuordnung. PDF-Dateien erben das meiste davon, wenn sie aus einem Office-Programm exportiert wurden, und ergänzen es um das erzeugende Programm. Bewerbungen und Angebote sind hier die klassische Stolperfalle: Wer eine alte Vorlage recycelt, verschickt manchmal den Namen des vorherigen Empfängers gleich mit.

E-Mails tragen ihre Metadaten im Kopfteil, den kaum ein Programm anzeigt. Dort steht jeder Server, über den die Nachricht lief, mit Zeitstempel, dazu das verwendete Mailprogramm und je nach Anbieter die IP-Adresse des Absenders. Der Betreff selbst ist bei den meisten Verschlüsselungsverfahren ebenfalls unverschlüsselt.

MP3-Dateien wirken harmlos, und die meisten sind es auch. Ihre Zusatzangaben stecken in sogenannten ID3-Tags: Titel, Interpret, Album, Genre, Jahr, Cover. Interessant wird es bei gekauften Downloads. Apples DRM-freie Titel enthielten über Jahre den Namen des Käufers und die Adresse seines Kontos, was bereits 2007 öffentlich dokumentiert wurde. Wer eine solche Datei weitergibt, reicht die eigene Kontokennung mit, ohne es zu merken. Das ist kein Skandal, sondern eine gute Erinnerung daran, dass auch Musikdateien beschriftet sind.

Smartphones bündeln all das. Sie schreiben in Fotos, hinterlegen Standortverläufe, protokollieren, welche App wann wie lange lief, und melden ihre Funkzelle an den Netzbetreiber. Das Gerät ist weniger eine Quelle unter vielen als der Ort, an dem die meisten Spuren zusammenlaufen.

Die Kante: Verschlüsselung schützt den Inhalt

Hier liegt das Missverständnis, das dieses Thema so unterschätzt macht. Ein verschlüsselter Messenger sichert deine Nachricht zuverlässig gegen Mitleser. Was er nicht verbirgt, ist die Tatsache, dass du um 3:14 Uhr mit einer bestimmten Nummer geschrieben hast, wie lange der Austausch dauerte und aus welcher Region er kam.

Ein verschlossener dunkler Umschlag, dessen Inhalt unsichtbar bleibt, während auf der Außenseite feine Stempel und Markierungen im Licht aufscheinen
Der Brief bleibt zu. Der Umschlag erzählt trotzdem.

Aus solchen Randdaten entsteht ein präzises Bild. Wer regelmäßig nachts mit derselben Person spricht, wer eine Suchtberatung anruft, wer einen Anwalt kontaktiert und am nächsten Tag eine Redaktion, gibt viel preis, ohne dass ein einziges Wort mitgelesen werden muss. Die Inhalte sind oft redundant, die Verbindungsdaten sind es nie.

Damit schließt sich der Kreis zu zwei Werkzeugen, die dieselbe Grenze auf ihre Weise haben. Ein VPN verschlüsselt den Transportweg und lässt dich in der Masse einer geteilten IP untertauchen, es sagt aber nichts darüber, was in den Dateien steckt, die du durch den Tunnel schickst. Wer sich deshalb für geschützt hält, sitzt derselben falschen Sicherheit auf, die wir beim VPN beschrieben haben. Beim Tor Browser ist es ähnlich: Er verteilt das Wissen über deinen Weg auf mehrere unabhängige Knoten, doch ein hochgeladenes Foto mit Koordinaten hebelt diese ganze Kette in einem Zug aus. Auch dort endet der Schutz an der Stelle, an der dein eigenes Verhalten beginnt.

Was du dagegen tun kannst

Die gute Nachricht ist, dass sich Metadaten mit wenig Aufwand entfernen lassen. Es braucht nur die Gewohnheit, vor dem Teilen kurz hinzusehen.

Ein Stapel Papiere, dessen oberstes Blatt vollkommen leer und glatt im Licht liegt, während die darunterliegenden im Schatten verschwinden
Vor dem Versand einmal abwischen. Danach ist der Rand still.

Bei Fotos hilft schon das Betriebssystem. Windows bietet im Rechtsklick unter Eigenschaften den Punkt “Eigenschaften und persönliche Informationen entfernen”, macOS erlaubt das Entfernen des Orts beim Teilen, und Android wie iOS bieten im Teilen-Dialog eine Option, Standortdaten wegzulassen. Wer es gründlich mag, nimmt exiftool und räumt mit einem Befehl alles ab. Sinnvoll ist außerdem, die Ortung in der Kamera-App abzuschalten, wenn du sie nicht brauchst, denn was gar nicht erst entsteht, muss auch niemand löschen.

Bei Office-Dokumenten gibt es die eingebaute Prüfung. In Word und Excel findest du sie unter Datei, Informationen, “Auf Probleme überprüfen” und dort im Dokumentprüfmodul, das Autorennamen, Kommentare und verborgene Inhalte findet und auf Wunsch entfernt. LibreOffice bietet Vergleichbares in den Dokumenteigenschaften. Bei PDF-Dateien lohnt der Blick in die Dokumenteigenschaften des Anzeigeprogramms, die meisten PDF-Werkzeuge können die Felder dort leeren oder überschreiben.

Beim Auslesen ist exiftool das Mittel der Wahl, weil es die Formate unterschiedlichster Herkunft in derselben Ansicht aufschlüsselt. Der einfachste Einstieg führt aber über die eigenen Dateien: Nimm ein Handyfoto der letzten Woche und sieh dir an, was darin steht. Das überzeugt nachhaltiger als jede Aufzählung.

Übersicht: was wo steckt

DateitypTypische MetadatenWas sie verratenWie entfernen
Foto (JPEG)EXIF: Kamera, Zeitpunkt, GPSAufenthaltsort, Tagesablauf, GerätBetriebssystem-Dialog oder exiftool
Word, ExcelAutor, Firma, Revisionen, BearbeitungsdauerIdentität, Arbeitgeber, wiederverwendete VorlagenDokumentprüfung vor dem Versand
PDFAutor, erzeugendes Programm, ZeitstempelHerkunft aus dem UrsprungsdokumentDokumenteigenschaften leeren
E-MailReceived-Zeilen, Client, teils IPWeg der Nachricht, Gerät, grober StandortKaum entfernbar, Anbieter wählen
MP3ID3-Tags, teils KäuferdatenKonto und Herkunft der DateiTags im Musikprogramm oder exiftool leeren

Die Tabelle zeigt das Muster: Wo eine Datei entsteht, notiert das erzeugende Programm die Umstände, und diese Notizen reisen mit. Sie sind kein Angriff auf dich, sondern ein Nebenprodukt der Technik, und sie werden erst dann zum Problem, wenn eine Datei den Kreis verlässt, für den sie gedacht war.

Am Ende steht eine schlichte Gewohnheit. Bevor du eine Datei aus der Hand gibst, frag dich, was ihr Rand über dich sagt. Bei Urlaubsbildern im Familienchat ist die Antwort gleichgültig, bei einem Foto in einem öffentlichen Forum oder einer Bewerbung an einen Unbekannten ist sie es nicht. Der Unterschied zwischen McAfee und einem beliebigen Nutzer liegt nicht in der Technik, sondern im Publikum. Wer seine eigenen Dateien einmal aufgeschraubt hat, macht diesen Handgriff danach automatisch.

Häufige Fragen

Was sind Beispiele für Metadaten?
Bei einem Foto sind es Kameramodell, Blende, Aufnahmezeitpunkt und oft die GPS-Koordinaten des Orts. Bei einem Word-Dokument der Name des Autors, die eingetragene Firma, das Erstellungsdatum und die gesamte Bearbeitungsdauer. Bei einer E-Mail die Kette der Server, über die sie lief, samt Zeitstempeln und dem verwendeten Programm. Bei einem Telefonat die Nummern beider Seiten, die Dauer und die Funkzelle. Gemeinsam ist all dem, dass es entsteht, ohne dass jemand es bewusst eingibt.
Wie kann ich Metadaten auslesen?
Der schnellste Weg führt über das Betriebssystem: Unter Windows zeigt der Rechtsklick auf eine Datei unter "Eigenschaften" den Reiter "Details", unter macOS liefert die Informationen-Ansicht im Finder dasselbe. Wesentlich mehr sieht, wer das freie Kommandozeilenwerkzeug exiftool benutzt, das nahezu jedes Dateiformat aufschlüsselt. Für PDF-Dateien reicht oft schon der Menüpunkt "Dokumenteigenschaften" im Anzeigeprogramm. Prüf ruhig einmal deine eigenen Urlaubsfotos, das Ergebnis ist meist lehrreicher als jede Erklärung.
Wie entferne ich Metadaten aus einer MP3-Datei?
In den meisten Musikprogrammen lassen sich die sogenannten ID3-Tags direkt bearbeiten und einzeln leeren. Gründlicher arbeitet exiftool mit dem Befehl "exiftool -all= datei.mp3", der sämtliche Tags in einem Durchgang entfernt. Achte darauf, dass manche Programme beim Speichern neue Tags anlegen, deshalb lohnt eine Kontrolle nach dem Bereinigen. Wichtig ist der Unterschied zwischen Tags und Wasserzeichen: Ein ins Audiosignal eingebettetes Wasserzeichen überlebt das Löschen der Tags.
Was sind Metadaten bei MP3?
MP3-Dateien tragen ihre Zusatzinformationen in ID3-Tags, einem kleinen Datenblock am Anfang oder Ende der Datei. Dort stehen Titel, Interpret, Album, Genre, Jahr und das Cover-Bild, also alles, was dein Abspielprogramm anzeigt, ohne die Musik selbst zu analysieren. Gekaufte Downloads enthielten in der Vergangenheit zusätzlich Käufernamen und Konto-Adresse, bei Apples DRM-freien Titeln war das jahrelang dokumentiert. Wer solche Dateien weitergibt, reicht diese Angaben unbemerkt mit weiter.

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