Digitaler Nachlass: was online von dir bleibt, wenn du gehst

Digitaler Nachlass aus Datenschutz-Sicht: was mit Konten Verstorbener passiert, wie Betrüger Traueranzeigen nutzen und welche Vorsorge-Schalter es gibt.

Ein leerer Holzschreibtisch am Fenster in der Abenddämmerung, darauf ein zugeklappter Laptop, eine Lesebrille und eine brennende Kerze, draußen kahle Bäume im Nebel
Alle Bilder in diesem Artikel sind KI-generierte Symbolbilder.

Im November gehen viele auf den Friedhof, an Allerheiligen, am Volkstrauertag, am Totensonntag. Online gibt es diesen Ort nicht, und trotzdem bleibt dort viel zurück, oft mehr, als den Angehörigen bewusst ist. Das Facebook-Profil der verstorbenen Tante erinnert vielleicht noch an ihren Geburtstag, ihr Gmail-Postfach nimmt weiter Newsletter an, und die Fotos in ihrer iCloud kennt niemand außer Apple. Genau das ist gemeint, wenn vom digitalen Nachlass die Rede ist: alles, was eine Person online hinterlässt, von Konten und Profilen bis zu Daten und Verträgen. Ein digitaler Nachlass entsteht bei jedem, ob er sich darum kümmert oder nicht.

Meistens wird das Thema als Frage der Erben behandelt, also wer was bekommt. Hier geht es um die andere Seite, nämlich darum, was ein verwaistes Konto für Fremde wert ist, wie Betrüger Traueranzeigen auswerten, und welche Schalter Google, Apple, Meta und Microsoft eingebaut haben, damit du selbst entscheidest, was mit deinen Daten passiert. Rechtliche Fragen zu Erbe und Testament klammern wir bewusst aus, dafür gibt es Beratungsstellen und Fachleute.

Was online bleibt, wenn niemand etwas regelt

Ein Konto weiß nicht, dass sein Inhaber gestorben ist, es läuft einfach weiter, bis jemand Bescheid gibt oder der Anbieter es wegen Inaktivität schließt. Wie lange das dauert, ist sehr unterschiedlich, und bei manchen Diensten passiert von allein gar nichts.

DienstWas ohne Vorsorge passiertWas Angehörige tun können
GoogleKonto bleibt bestehen; Google kann persönliche Konten löschen, die mindestens zwei Jahre in keinem Dienst genutzt wurdenSchließung oder in bestimmten Fällen Datenzugriff beantragen, Google prüft jeden Fall einzeln
Microsoft (Outlook.com, OneDrive)Postfach und OneDrive werden nach einem Jahr ohne Nutzung eingefroren, Inhalte kurz danach gelöscht; das Konto läuft nach zwei Jahren abmit bekannten Zugangsdaten selbst schließen; Zugriff nur mit Nachweis der Erbfolge
AppleKonto und iCloud-Daten bleibenmit Nachlasskontakt-Schlüssel und Sterbeurkunde Zugriff beantragen oder Löschung anfragen
FacebookProfil bleibt sichtbar wie vorher, inklusive Geburtstagserinnerung an FreundeGedenkzustand oder Entfernung beantragen
InstagramProfil bleibt wie vorherGedenkzustand beantragen; enge Familienangehörige können mit Nachweis die Entfernung beantragen

Microsoft schreibt in seiner Hilfe sogar ausdrücklich, dass man das Unternehmen nicht über einen Todesfall informieren muss. Mit den Zugangsdaten könne man das Konto selbst schließen, sonst schließe es sich nach zwei Jahren Inaktivität von allein. Bei Facebook und Instagram ist es umgekehrt: Hier passiert nichts, bis jemand die Plattform informiert.

Für dich als Datenschutzfrage heißt das: Ein großer Teil deines digitalen Lebens bleibt nach deinem Tod jahrelang sichtbar oder zumindest erreichbar. Fotos, die du öffentlich geteilt hast, bleiben öffentlich, die Freundesliste bleibt sichtbar, und das Konto selbst bleibt ein Ziel für jeden, der es übernehmen will.

Warum ein verwaistes Konto ein Sicherheitsproblem ist

Google hat 2023 erklärt, warum es inaktive Konten nach zwei Jahren löschen will, und die Begründung ist bemerkenswert offen. Vergessene Konten nutzen oft alte oder mehrfach verwendete Passwörter, die längst in einem Datenleck aufgetaucht sein können. Laut Googles interner Auswertung haben verlassene Konten mindestens zehnmal seltener eine Zwei-Faktor-Anmeldung eingerichtet als aktive. Ist so ein Konto einmal übernommen, kann es laut Google für alles Mögliche dienen, vom Identitätsdiebstahl bis zum Versand von Spam.

Bei einem verstorbenen Menschen kommt etwas hinzu: Es gibt niemanden mehr, der bemerkt, dass sich jemand eingeloggt hat, und keine Warnmail über eine ungewöhnliche Anmeldung wird je gelesen. Der Angreifer hat Zeit.

Was er mit einem solchen Konto anfangen kann, hängt davon ab, was daran hängt. Ein E-Mail-Postfach ist der Generalschlüssel für viele andere Dienste, weil darüber Passwörter zurückgesetzt werden. Ein Profil in sozialen Netzwerken hat etwas, das sich kaum fälschen lässt, nämlich echte Freunde, die dem Namen vertrauen. Eine Nachricht vom Konto eines Verstorbenen wirkt verstörend, manchmal aber auch wie ein Zeichen, und genau darauf setzen manche Maschen.

Für den Nachlass zählt vor allem eines: Ein Konto, das niemand mehr nutzt, sollte entweder geschlossen oder in einen Zustand versetzt werden, in dem sich niemand mehr anmelden kann.

Ein dunkler Flur mit vielen geschlossenen Holztüren, eine davon steht einen Spalt offen und wirft einen schmalen warmen Lichtstreifen auf den Boden
Ein Konto, um das sich niemand mehr kümmert, ist eine Tür, die niemand mehr abschließt.

Die Traueranzeige als offene Datenquelle

Eine Traueranzeige ist ein zutiefst persönlicher Text. Sie nennt den Namen der verstorbenen Person, oft Geburts- und Sterbedatum, den Wohnort und die Angehörigen mit Namen und Verwandtschaftsgrad. Viele Zeitungen stellen die Anzeigen zusätzlich online auf Trauerportale, durchsuchbar nach Ort und Datum. Für Betrüger ist das eine fertig sortierte Liste von Menschen, die gerade in einer Ausnahmesituation sind.

Eine Lupe auf leeren, gefalteten Papierbögen neben einer Tasse Tee und einer Brille auf einem dunklen Küchentisch, warmes Licht fängt sich im Glas
Was in einer Traueranzeige steht, lässt sich mit Telefonbuch und Suchmaschine in Minuten ergänzen.

Im Juni 2026 hat das Polizeipräsidium Schwaben Süd/West in Bayern genau davor gewarnt. Im Bereich der Kriminalpolizei Neu-Ulm waren zwei Fälle bekannt geworden. Die Täter entnahmen den Traueranzeigen Namen und Familienverhältnisse, suchten im Telefonbuch die passende Nummer und Adresse und riefen die Hinterbliebenen an. Am Telefon gaben sie sich als Polizisten, Staatsanwälte oder Richter aus und behaupteten, ein Sohn oder eine Tochter des Verstorbenen habe einen schweren Unfall verursacht. Gefordert wurden hohe Geldbeträge oder Schmuck.

Die Polizei rät, in Traueranzeigen weder die eigene Adresse noch die der verstorbenen Person anzugeben. Stattdessen kann dort die Anschrift des Bestattungshauses stehen. Außerdem empfiehlt sie, zu überlegen, ob ein Telefonbucheintrag überhaupt noch nötig ist, denn angerufen werden überwiegend Menschen, die dort mit vollem Namen und Anschrift stehen. Wie diese Art von Recherche bei der klassischen Variante funktioniert, beschreiben wir ausführlich im Artikel über den Enkeltrick.

Neben dem Telefon gibt es die Post. Das Verbraucherportal des bayerischen Verbraucherschutzministeriums beschreibt mehrere Maschen, die sich gezielt an Hinterbliebene richten. Dazu gehören Rechnungen für die Eintragung in angebliche Verstorbenen-Register, gestaltet so, dass sie amtlich wirken. Dazu gehören auch Forderungen für Waren, die der Verstorbene angeblich bestellt hat und die nie geliefert wurden, gern Dinge, über die eine Witwe aus Scham nicht nachfragt. Der Rat dort ist schlicht: nicht unter Zeitdruck setzen lassen, zweifelhafte Rechnungen erst einmal nicht bezahlen und einen Vertrag oder Liefernachweis verlangen.

Eine dritte Variante spielt sich direkt in sozialen Netzwerken ab. Der IT-Sicherheitsjournalist Brian Krebs hat im September 2024 beschrieben, wie auf Facebook massenhaft Gruppen zu anstehenden Beerdigungen entstanden. Sie zeigten ein Foto der verstorbenen Person, nannten Datum und Uhrzeit der Trauerfeier korrekt und versprachen einen Livestream. Der Link führte auf eine frisch registrierte Seite, die vor dem Abspielen Kreditkartendaten verlangte. Manche Gruppen sammelten zusätzlich Spenden im Namen des Verstorbenen. Die Daten dafür stammten aus genau den öffentlichen Ankündigungen, die Familie und Bestatter online gestellt hatten.

Digitaler Nachlass: die Vorsorge-Schalter der großen Anbieter

Die gute Nachricht: Die großen Plattformen haben inzwischen eigene Funktionen, mit denen du zu Lebzeiten festlegst, was später passiert. Sie sind allerdings gut versteckt und bei jedem Anbieter anders gebaut. Gemeinsam ist ihnen, dass sie niemandem dein Passwort geben. Google, Meta und Microsoft schreiben das ausdrücklich, und bei Meta ist es sogar ein Verstoß gegen die Richtlinien, sich in das Konto einer anderen Person einzuloggen, auch nach deren Tod.

Ein kleiner alter Messingschlüssel liegt neben einem verschlossenen, unbeschrifteten Briefumschlag auf dunklem Samt, seitlich warm beleuchtet
Apples Zugriffsschlüssel gehört ausgedruckt zu den Vorsorgeunterlagen, nicht nur ins Handy.
AnbieterFunktionWas die Vertrauensperson bekommtWas sie nicht bekommt
GoogleKontoinaktivität-ManagerBenachrichtigung nach einer selbst gewählten Inaktivitätszeit, auf Wunsch ausgewählte Daten zum Download; bis zu 10 Personenkein Login, kein Passwort
AppleNachlasskontaktZugriff auf Fotos, Nachrichten, Notizen, Dateien, Gerätesicherungen und mehr, mit Zugriffsschlüssel und Sterbeurkundegekaufte Filme, Musik, Bücher, Abos; Passwörter, Passkeys und Zahlungsdaten aus dem Schlüsselbund
FacebookNachlasskontakt oder Löschung nach dem Todfixierter Beitrag, Profil- und Titelbild ändern, Entfernung beantragen, Download geteilter Inhalte, falls erlaubtLogin, Nachrichten lesen, Freunde entfernen
InstagramGedenkzustand (auf Antrag)Profil wird als Gedenkprofil gekennzeichnet, niemand kann sich mehr anmeldenZugangsdaten
Microsoftkeine eigene Funktionschließt sich nach zwei Jahren Inaktivität selbstZugriff nur über Nachweis gegenüber Microsoft

Google. Den Kontoinaktivität-Manager richtest du auf einer eigenen Seite im Google-Konto ein. Du legst fest, nach wie langer Zeit ohne Anmeldung dein Konto als inaktiv gilt, und wählst bis zu zehn Personen aus, die dann eine Mail bekommen. Für jede kannst du einzeln festlegen, welche Daten sie herunterladen darf. Google verlangt dafür die Handynummer der Vertrauensperson, weil der Download-Link nur mit Bestätigung über diese Nummer funktioniert. So bekommt niemand deine Daten, nur weil er die Benachrichtigung abgefangen hat. Am Ende kannst du festlegen, dass das Konto gelöscht wird. Als Aktivität zählt Google Anmeldungen, die Nutzung von Gmail und anderen Diensten, auch über die App auf dem Handy.

Apple. Den Nachlasskontakt richtest du auf dem iPhone unter Einstellungen, dein Name, Anmeldung & Sicherheit ein. Voraussetzung ist mindestens iOS 15.2 und eine aktive Zwei-Faktor-Authentifizierung. Die Person braucht selbst kein Apple-Gerät. Wichtig ist der Zugriffsschlüssel, den Apple dabei erzeugt. Ohne ihn und ohne Sterbeurkunde kann der Nachlasskontakt später keinen Zugriff beantragen. Apple empfiehlt, den Schlüssel zusätzlich auszudrucken und bei den Vorsorgeunterlagen aufzubewahren. Jeder Nachlasskontakt kann später einzeln entscheiden, auch über die endgültige Löschung.

Facebook. In der Kontenübersicht, in die Meta die Einstellungen von Facebook und Instagram zusammengelegt hat, gibt es den Punkt Gedenkzustand. Dort wählst du einen Nachlasskontakt oder legst fest, dass dein Konto nach deinem Tod endgültig gelöscht wird. Bei der Löschung verschwinden laut Meta alle Nachrichten, Fotos, Beiträge, Kommentare und Angaben sofort, sobald jemand den Tod meldet. Ohne Nachlasskontakt bleibt ein Profil im Gedenkzustand dagegen eingefroren, niemand kann mehr etwas daran ändern. Meta empfiehlt, die eigene Entscheidung auch den Angehörigen mitzuteilen.

Instagram. Eine Einstellung zu Lebzeiten gibt es hier kaum. Angehörige oder Freunde können den Gedenkzustand beantragen, enge Familienmitglieder mit Nachweis wie Geburts- oder Sterbeurkunde die Entfernung. Ein Profil im Gedenkzustand erscheint nicht mehr an Stellen wie der Entdecken-Seite, und niemand kann sich mehr einloggen. Gerade Letzteres ist aus Sicherheitssicht der eigentliche Gewinn.

Microsoft bietet keine vergleichbare Funktion. Wer die Zugangsdaten kennt, kann das Konto schließen. Microsoft hält die Daten danach noch 60 Tage vor, dann werden Konto und Inhalte dauerhaft gelöscht. Ohne Zugangsdaten verlangt Microsoft für Kunden in Deutschland laut eigener Hilfe Unterlagen, die die Erbfolge belegen, und einen Ausweis.

Was du für dich jetzt regeln kannst

Die Verbraucherzentrale empfiehlt eine Übersicht aller Online-Konten, und das ist tatsächlich der wichtigste Schritt. Anmeldungen, Registrierungen, Apps, Kundenkonten bei Shops, dazu Benutzername und möglichst Kontaktdaten des Anbieters. Die Verbraucherzentralen bieten dafür ein eigenes Online-Werkzeug an. Eine gedruckte Liste an einem sicheren Ort, die regelmäßig aktualisiert wird, tut es aber auch.

Beim Aufschreiben fällt fast immer auf, wie viele Konten man gar nicht mehr braucht. Die Verbraucherzentrale rät, die vorher zu löschen: „Weniger ist schon vorher mehr“. Dabei reicht es nicht, die App zu deinstallieren, das Konto beim Anbieter bleibt davon unberührt. Wie man ein Konto und die Daten darin wirklich loswird, steht in unserem Artikel Daten wirklich löschen. Jedes Konto, das heute verschwindet, kann später weder vergessen noch übernommen werden.

Schwieriger ist der zweite Faktor. Viele wichtige Konten, vom Mailpostfach bis zum Onlinebanking, verlangen neben dem Passwort einen Code vom Handy. Eine Vertrauensperson mit Passwortliste kommt dann trotzdem nicht weiter. Die Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass man auch festhalten sollte, wie jemand im Ernstfall an das Smartphone, die Authentifizierungs-App oder die Sicherheitscodes kommt. Wer einen Passwortmanager nutzt, schreibt das Masterpasswort in die Liste. Mehr dazu, warum Passkeys an Geräte gebunden sind und was das für Dritte bedeutet, steht in unserem Artikel über Passkeys.

Bei Banken genügt die Weitergabe der Zugangsdaten ohnehin nicht. Die Verbraucherzentrale warnt sogar ausdrücklich, dass es Ärger mit der Bank geben kann, wenn Dritte mit fremden Zugangsdaten Geld bewegen. Hier ist ein Gespräch mit der eigenen Bank der bessere Weg.

Und dann bleibt die Frage, die keine Technik beantwortet: Was soll mit deinen Profilen passieren? Manche Menschen möchten, dass ihr Facebook-Profil als Ort der Erinnerung bleibt, an dem Freunde noch Jahre später etwas schreiben. Andere wollen, dass alles verschwindet. Beides ist in Ordnung, wichtig ist nur, dass es jemand weiß, bevor es so weit ist.

Wenn ein Angehöriger gestorben ist

In den Tagen nach einem Todesfall hat niemand Kopf für Konten und Profile, und das muss auch nicht sofort passieren. Ein paar Dinge lohnen sich trotzdem früh, weil sie Betrügern die Arbeit schwer machen.

Wenn ihr eine Traueranzeige aufgebt, lasst die Privatadresse weg und nennt das Bestattungshaus als Kontakt. Dasselbe gilt für Ankündigungen in sozialen Netzwerken. Wer Datum, Uhrzeit und Ort einer Trauerfeier öffentlich postet, liefert genau das Material, mit dem die Fake-Livestream-Gruppen arbeiten. Teilt solche Details lieber in einer geschlossenen Gruppe oder direkt. Taucht eine Gruppe zur Beerdigung auf, die ihr nicht kennt, meldet sie bei Facebook.

Eine weiße Kerze in einem Glas auf einer Steinkante bei Nacht, daneben ein Smartphone mit dem Display nach unten und ein paar Herbstblätter
Gedenken braucht keine öffentliche Uhrzeit. Details zur Trauerfeier lieber direkt teilen.

Beim Profil in sozialen Netzwerken ist der Gedenkzustand meist die sicherste Wahl, wenn ihr es nicht löschen lassen wollt. Er verhindert, dass sich jemand einloggt, auch ein Angreifer mit einem alten Passwort. Es ist verständlich, sich mit dem bekannten Passwort selbst einzuloggen, um noch etwas zu sichern. Meta und Instagram werten das aber als Verstoß gegen ihre Regeln, und es ändert nichts daran, dass das Konto danach weiter angreifbar bleibt.

Post mit Rechnungen für den Verstorbenen verdient einen zweiten Blick, vor allem, wenn eine Firma unbekannt ist oder kurze Fristen setzt. Ein seriöser Gläubiger kann sagen, wofür genau er Geld will, und einen Beleg schicken. Und für E-Mail-Konten gilt: Wenn ihr die Zugangsdaten habt, schaut zuerst, welche Dienste daran hängen, bevor ihr das Postfach schließt. Rücksetzlinks für andere Konten kommen sonst ins Leere.

Was bleibt

Der digitale Nachlass ist kein Thema, über das man gern nachdenkt. Aus Datenschutzsicht ist er trotzdem ziemlich einfach zu fassen: Jedes Konto, das nach deinem Tod weiterläuft, ist eine offene Tür, und jede öffentliche Angabe über Angehörige ist Material für jemanden, der eine Geschichte erfinden will. Eine halbe Stunde für Kontoinaktivität-Manager, Nachlasskontakt und eine ehrliche Liste deiner Konten schließt die meisten dieser Türen. Den Rest regelt ein Gespräch mit dem Menschen, dem du das alles anvertraust.

Häufige Fragen

Was gehört zum digitalen Nachlass?
Alles, was eine Person online hinterlässt: E-Mail-Postfächer, Profile in sozialen Netzwerken, Fotos in der Cloud, Kundenkonten bei Shops, laufende Abos und Verträge, die nur online verwaltet werden. Dazu kommen Geräte wie Smartphone und Laptop mit den Daten darauf. Die Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass online abgeschlossene Verträge in der Regel weiterlaufen, bis jemand sie kündigt.
Was passiert mit einem Google-Konto, wenn der Inhaber stirbt?
Ohne Vorsorge bleibt es zunächst bestehen. Google behält sich vor, persönliche Konten zu löschen, die mindestens zwei Jahre lang in keinem Google-Dienst genutzt wurden, und schickt vorher Hinweise an die Kontoadresse und die Wiederherstellungsadresse. Wer zu Lebzeiten den Kontoinaktivität-Manager einrichtet, legt selbst fest, nach welcher Zeit bis zu zehn Vertrauenspersonen benachrichtigt werden oder Daten erhalten und ob das Konto danach gelöscht wird.
Was ist der Gedenkzustand bei Facebook und Instagram?
Ein Profil im Gedenkzustand bleibt als Erinnerungsort bestehen. Neben dem Namen erscheint ein Hinweis auf das Gedenken, niemand kann sich mehr einloggen, und Facebook zeigt das Profil nicht mehr in Geburtstagserinnerungen oder Freundschaftsvorschlägen. Die geteilten Inhalte bleiben für das Publikum sichtbar, für das sie freigegeben waren. Angehörige oder Freunde können den Gedenkzustand bei Meta beantragen, Familienmitglieder alternativ die Entfernung des Kontos.
Was kann ein Nachlasskontakt bei Facebook?
Laut Meta kann ein Nachlasskontakt einen fixierten Beitrag schreiben, etwa mit Informationen zur Trauerfeier, das Profil- und Titelbild ändern, die Entfernung des Kontos beantragen und eine Kopie der geteilten Inhalte herunterladen, wenn das freigegeben wurde. Einloggen und Nachrichten lesen kann er nicht. Ohne Nachlasskontakt lässt sich ein Profil im Gedenkzustand gar nicht mehr verändern.
Sollte man in eine Traueranzeige die Adresse schreiben?
Die Polizei rät davon ab. Das Polizeipräsidium Schwaben Süd/West hat 2026 vor Betrügern gewarnt, die aus Traueranzeigen Namen und Familienverhältnisse herauslesen, im Telefonbuch die passende Nummer suchen und Hinterbliebene mit Schockanrufen unter Druck setzen. Statt der eigenen Anschrift oder der des Verstorbenen kann die Adresse des Bestattungshauses in der Anzeige stehen. Kondolenzpost kommt so trotzdem an.
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