MAC-Adresse: Was dein Handy im Vorbeigehen über dich verrät

Die MAC-Adresse ist die Funkkennung jedes Geräts. Mülleimer in London erkannten damit 2013 Handys wieder. Was sie verrät und was die private WLAN-Adresse schützt.

Eine nächtliche, regennasse Einkaufsstraße ohne Menschen, am Straßenrand steht ein dunkler Mülleimer aus Metall mit einem schwach leuchtenden leeren Bildschirm, von ihm breiten sich feine warme Lichtringe in die Luft aus
Alle Bilder in diesem Artikel sind KI-generierte Symbolbilder.

Im Sommer 2013 standen in der Londoner City zwölf Recyclingbehälter, die mehr konnten als Müll schlucken, die meisten davon an der Cheapside, einer Einkaufsstraße unweit der St Paul’s Cathedral. In ihren Gehäusen steckten kleine Empfänger. Sie notierten die MAC-Adresse jedes Handys, das mit eingeschaltetem WLAN vorbeikam. Die Firma Renew, der die Behälter gehörten, verkaufte Werbefläche auf eingebauten Bildschirmen und wollte wissen, wer an ihnen vorbeiläuft. Und ob es dieselben Leute sind wie gestern.

Am 6. Juli, dem Rekordtag, zählten die Behälter 106.629 Geräte und registrierten sie insgesamt 946.016 Mal. Im ersten Monat kamen nach Angaben der Firma über eine Million verschiedene Geräte zusammen. Der Technikpartner Presence Orb nannte sein Produkt ein „Cookie für die echte Welt“. Renew-Chef Kaveh Memari erklärte dem Magazin Quartz, wie sicher man sich sein könne, jeden zu erwischen: Wenn sie jemanden am ersten, zweiten oder dritten Tag nicht sähen, irgendwann erwischten sie ihn trotzdem. „Wir brauchen nur, dass du es einmal anhast.“

Vier Tage nach dem Quartz-Artikel verlangte die City of London, dass die Firma aufhört. Renew stoppte den Versuch. Die Technik dahinter verschwand damit allerdings nicht.

Dieser Text erklärt, was eine MAC-Adresse ist, warum Handys sie jahrelang in jede Richtung gefunkt haben und wer das genutzt hat. Danach geht es um die Gegenbewegung, die zufälligen Adressen, mit denen iPhones, Android-Handys und Windows-Laptops sich heute tarnen, und um die Stellen, an denen diese Tarnung in Studien gebrochen wurde. Am Ende steht, was du an deinen Geräten einstellen kannst und was du damit nicht erreichst.

Eine leere nächtliche Einkaufsstraße mit nassem Pflaster, in dem sich warme Schaufensterlichter spiegeln, am Rand eine Reihe dunkler Mülleimer aus Metall, über denen ein sehr schwacher Lichtschimmer liegt
Zwölf Behälter in der Londoner City, über eine Million Geräte in einem Monat.

Was ist eine MAC-Adresse?

Jedes Gerät, das sich mit einem Netz verbindet, braucht eine Kennung, damit Datenpakete beim richtigen Empfänger landen. Im lokalen Netz, also zwischen deinem Handy und dem Router im Flur, ist das die MAC-Adresse. Mit Apples Mac-Computern hat sie nichts zu tun. MAC steht für Media Access Control, und eine solche Adresse hat das iPhone genauso wie der Android-Fernseher, die Spielkonsole und der Drucker. Viele Geräte haben mehrere, etwa für WLAN, Kabel und Bluetooth.

Geschrieben wird sie als zwölf Zeichen aus Ziffern und den Buchstaben A bis F, meist in sechs Paaren, etwa 3C:22:FB:1A:2B:3C. Dahinter stecken 48 Bit. Die ersten drei Paare sind kein Zufall. Sie heißen OUI, Organizationally Unique Identifier, und werden vom Ingenieursverband IEEE an Hersteller vergeben. Die Liste dieser Blöcke ist öffentlich und lässt sich als Datei herunterladen. Wer eine feste MAC-Adresse sieht, kann darin den Hersteller des Geräts oder seines Funkchips nachschlagen. Darum gehört „MAC-Adresse Hersteller“ zu den häufigsten Suchanfragen rund um das Thema. Wer fremde Geräte zählt, erfährt so nebenbei, welche Marke die Leute in der Tasche tragen.

Die restlichen drei Paare vergibt der Hersteller selbst, für jedes Gerät eine andere Kombination. Zusammen ergibt das eine Kennung, die weltweit nur einmal vorkommen soll und sich ein Geräteleben lang nicht ändert, solange niemand eingreift. Für ein Netzwerk ist das praktisch. Für deine Privatsphäre hat es denselben Haken wie ein Nummernschild: Wer es zweimal sieht, weiß, dass es dasselbe Auto war.

Makroaufnahme eines winzigen Funkchips auf einer dunkelgrünen Platine, daneben ein kleines silbernes Bauteil ohne Aufdruck, warmes Streiflicht betont die feinen Lötstellen
Die ersten drei Paare verraten den Hersteller, die letzten drei das einzelne Gerät.

MAC-Adresse, IP-Adresse, BSSID: drei Kennungen, drei Reichweiten

Die MAC-Adresse wird oft mit der IP-Adresse verwechselt. Die IP-Adresse ist die Anschrift, unter der dein Anschluss im Internet erreichbar ist. Jede Website, die du aufrufst, sieht sie, und mit ihr lässt sich grob abschätzen, in welcher Region du bist. Wie genau das wirklich ist, haben wir im Artikel IP-Adresse orten nachgemessen. Die MAC-Adresse deines Handys erreicht dagegen im Normalfall keinen Server im Internet. Sie endet am Router, der die Pakete mit seiner eigenen Kennung weiterschickt.

Die dritte Kennung im Bunde ist die BSSID. So heißt die MAC-Adresse des Funkmoduls in deinem Router, mit der sich das WLAN ausweist. Sie steht fest an einem Ort, und darum landet sie in den Ortungsdatenbanken von Apple und Google. Was daraus folgt, steht im Artikel über die BSSID. Dieser Text dreht sich um das Gerät, das du in der Tasche trägst und das sich bewegt.

KennungGehört zuWer sie siehtWas sie verraten kann
IP-AdresseDeinem InternetanschlussJeder Server, den du aufrufstProvider, grobe Region
MAC-AdresseDeinem Handy oder LaptopGeräte in Funkreichweite, der Router im selben NetzHersteller, Wiedererkennung an verschiedenen Orten
BSSIDDem Funkmodul deines RoutersJedes Gerät in FunkreichweiteStandort des Routers über Ortungsdatenbanken

Warum ein Handy ständig ruft

Damit dein Handy sich zu Hause automatisch ins WLAN einwählt, muss es wissen, welche Netze gerade in der Nähe sind. Dafür wartet es nicht nur auf die Signale der Router, es fragt auch selbst. In regelmäßigen Abständen sendet es sogenannte Probe Requests in die Umgebung, kurze Funkrufe, die sinngemäß lauten: Ist hier ein Netz, mit dem ich mich verbinden kann? Microsoft beschreibt das auf seiner Hilfeseite sehr direkt: Wenn das Gerät nicht mit einem WLAN verbunden ist, sendet es ein Signal, um Netze in der Umgebung zu finden, und dieses Signal enthält die eindeutige physische Hardwareadresse.

Diese Rufe sind unverschlüsselt. Ein Empfänger muss sich nirgends anmelden, um sie zu hören. Er muss nur in der Nähe sein. Ältere Geräte schickten in ihren Rufen zusätzlich die Namen der Netze mit, die sie kannten, also eine Liste wie „Zuhause“, „Büro-Gast“ und „Hotel am Hafen“. Ein Forscherteam um Mathy Vanhoef zeigte 2016, dass schon diese Liste allein ein Gerät eindeutig machen kann. Die Hersteller rückten schon damals nach und nach davon ab, ganz verschwunden war es laut der Studie 2016 aber noch nicht.

Für Ladenketten, Werbefirmen und Verkehrsbetriebe ergab das einen Zählstrom, der nichts kostete und für den niemand gefragt wurde. Die Kunden mussten nur WLAN anhaben, und laut Memari taten das 80 Prozent der Londoner, wenn sie Wohnung oder Büro verließen.

Welche anderen Techniken Läden heute nutzen, von Bluetooth-Beacons bis zu Apps mit Standortzugriff, steht in Was ist ein Beacon?.

Vom Mülleimer bis zum Flughafen: belegte Fälle

London war nicht der einzige Ort, an dem Geräte über ihr WLAN wiedererkannt wurden. Drei weitere Fälle sind durch Behörden, Betreiber oder geleakte Unterlagen belegt.

Die Ladenkette als Kunde: Nomi Technologies. Die US-Firma Nomi stellte Sensoren in Geschäfte, die die MAC-Adressen vorbeikommender Handys erfassten. Laut der US-Handelsbehörde FTC kamen so in den ersten neun Monaten 2013 rund neun Millionen Geräte zusammen. Nomi speicherte die Adressen nicht im Klartext, sondern als Hash-Wert, doch die FTC hielt fest, dass auch dieser Wert für jedes Gerät eindeutig blieb und sich über die Zeit verfolgen ließ. Die Läden erfuhren, wie viele Menschen vorbeigingen statt hineinzugehen, wie lange Kunden blieben, welche Gerätetypen sie bei sich trugen und wie viele schon in einer anderen Filiale der Kette gewesen waren. Versprochen hatte Nomi eine Möglichkeit, im Laden zu widersprechen. Die gab es nicht, und die Kunden erfuhren auch nicht, dass gemessen wurde. Im April 2015 einigte sich die Firma mit der FTC, es war deren erstes Verfahren gegen einen Anbieter von Kundenverfolgung im Einzelhandel.

Die U-Bahn: Transport for London. Ende 2016 testete der Londoner Verkehrsbetrieb vier Wochen lang an 54 U-Bahn-Stationen, was sich aus den WLAN-Anfragen der Fahrgäste lesen lässt. Nach eigenen Angaben sammelte TfL dabei 509 Millionen Datenpunkte von 5,6 Millionen Geräten auf rund 42 Millionen Fahrten. Eine Erkenntnis: Zwischen King’s Cross St Pancras und Waterloo nahmen die Fahrgäste mindestens 18 verschiedene Wege. Seit Juli 2019 läuft die Erfassung dauerhaft an über 260 Stationen. TfL betont, dass die Daten automatisch „depersonalisiert“ werden, hat sich nach eigenen Angaben mit der britischen Datenschutzbehörde abgestimmt und kündigte Hinweisschilder an. Das ist der ordentlichste Fall in dieser Liste, und er zeigt trotzdem, wie viel in den Suchrufen eines Handys steckt.

Der Geheimdienst: CSEC am Flughafen. Im Januar 2014 veröffentlichte der kanadische Sender CBC ein Dokument aus dem Fundus von Edward Snowden. Es stammte vom Mai 2012, eine Präsentation des kanadischen Nachrichtendienstes CSEC mit 27 Folien. Darin beschrieb der Dienst, wie er Daten aus dem kostenlosen WLAN eines großen kanadischen Flughafens über zwei Wochen nutzte, um die Geräte von Reisenden zu identifizieren. Anschließend ließen sich diese Geräte nach Darstellung der CBC noch eine Woche und länger verfolgen, wenn sie in anderen WLAN-Hotspots auftauchten, in Hotels, Cafés, Bibliotheken und an anderen Flughäfen. Wie genau CSEC an die Daten kam und welche Kennungen im Einzelnen ausgewertet wurden, geht aus dem Bericht nicht hervor. CSEC bestritt, dass Reisende „verfolgt“ worden seien, und setzte das Wort selbst in Anführungszeichen.

FallZeitraumWerWas erfasst wurdeAusgang
Renew, LondonSommer 2013WerbefirmaMAC-Adressen von Passanten an 12 MülleimernGestoppt nach Aufforderung der City of London
Nomi Technologies, USA2013Dienstleister für LädenGehashte MAC-Adressen, rund 9 Mio. GeräteVergleich mit der FTC 2015
Transport for London2016 Pilot, seit 2019 dauerhaftVerkehrsbetriebWLAN-Anfragen an über 260 StationenLäuft, mit Hinweisschildern
CSEC, Kanada2012NachrichtendienstGerätedaten aus einem Flughafen-WLANBekannt durch Snowden-Dokumente 2014

Die Gegenbewegung: die private WLAN-Adresse

Die Hersteller haben auf diese Entwicklung reagiert, in Schritten und nicht alle gleich schnell. Die erste Stufe betraf nur die Suchrufe. Laut einer Studie der US Naval Academy führte Apple mit iOS 8 im Jahr 2014 zufällige Adressen für Probe Requests ein, Android folgte mit Version 6.0. Sobald sich das Handy aber mit einem Netz verband, kam wieder die feste Geräteadresse zum Einsatz.

Die zweite Stufe kam 2019 und 2020. Android 10 verwendet laut Google standardmäßig auch für die eigentliche Verbindung eine zufällige Adresse, und zwar für jedes Netz eine andere. Apple zog im Herbst 2020 mit iOS 14 nach und nannte die Funktion „Private WLAN-Adresse“. Das Prinzip ist bei beiden gleich: Dein Handy zeigt dem Café eine andere Adresse als dem Hotel und dem Büro. Wer drei Netze betreibt, sieht drei verschiedene Geräte.

Zu erkennen sind solche Adressen an einem gesetzten Bit, das sie als „lokal verwaltet“ kennzeichnet. In der Praxis heißt das: Das zweite Zeichen ist eine 2, 6, A oder E. Steht dort etwas anderes, ist es in aller Regel die feste Adresse des Herstellers. Bei iPhone und Android ist die Funktion 2026 ab Werk eingeschaltet.

Im Detail unterscheiden sich die Systeme deutlich, vor allem bei der Frage, wie oft die Adresse wechselt.

SystemSeitVoreinstellungWann die Adresse wechselt
iPhone, iPadiOS 14 (2020), drei Stufen seit iOS 18Pro Netz eigene Adresse; „Statisch“ bei WPA2 und stärker, „Rotierend“ bei offenen oder schwach gesicherten Netzen„Rotierend“ alle zwei Wochen, sonst beim Zurücksetzen der Netzwerkeinstellungen oder wenn du das Netz ignorierst
MacmacOS Sequoia 15Wie beim iPhoneWie beim iPhone
AndroidAndroid 10Pro Netz eigene Adresse, fest abgeleitet aus Netzname und SicherheitstypErst beim Zurücksetzen auf Werkseinstellungen; ab Android 12 in Sonderfällen beim Verbinden neu
Windows 10 und 11Windows 10Je nach Gerät; einschaltbar, sofern die WLAN-Hardware es unterstütztJe nach Einstellung für alle oder einzelne Netze

Bei Android hängt die zufällige Adresse laut Googles Entwicklerdokumentation am Netznamen und am Sicherheitstyp. Vergisst du ein Netz und fügst es wieder hinzu, bekommst du deshalb dieselbe Zufallsadresse wie vorher. Für den Betreiber eines Netzes, in das du dich regelmäßig einwählst, bleibst du damit wiedererkennbar. Das ist gewollt, sonst müsstest du dich im Hotel ständig neu anmelden. Wer mehr will, findet ab Android 11 in den Entwickleroptionen einen Schalter für die nicht dauerhafte MAC-Randomisierung. Dann würfelt das Handy die Adresse unter bestimmten Bedingungen neu, spätestens nach 24 Stunden beim nächsten Verbinden.

Apples Stufe „Rotierend“ ist seit iOS 18 bei neu verbundenen offenen und schwach gesicherten Netzen Standard, also dort, wo Fremde am ehesten mithören.

Mehrere glatte, helle Masken mit nur angedeuteten Gesichtszügen liegen nebeneinander auf dunklem Samt, eine davon ist leicht angehoben und fängt warmes Seitenlicht
Für jedes Netz ein anderes Gesicht. Das ist die Idee hinter der privaten Adresse.

Wo die Tarnung in Studien gebrochen wurde

Eine zufällige MAC-Adresse versteckt nur die Kennung. Das Gerät dahinter benimmt sich weiter wie es selbst. Genau an dieser Stelle setzt die Forschung seit zehn Jahren an.

Fingerabdrücke im Suchruf. Vanhoef und Kollegen von der KU Leuven und der INSA Lyon werteten 2016 mehr als acht Millionen Probe Requests aus. Jeder Ruf enthält neben der Adresse eine Reihe technischer Angaben, welche Funkstandards das Gerät beherrscht, in welcher Reihenfolge es sie aufzählt und so weiter. Zusammen bilden diese Angaben einen Fingerabdruck, und der ändert sich nicht, wenn die Adresse wechselt. Kombiniert mit einer fortlaufenden Paketnummer, die viele Geräte beim Adresswechsel nicht zurücksetzten, konnten die Forscher bis zu 50 Prozent der Geräte mindestens 20 Minuten lang verfolgen, ohne eine einzige echte Adresse zu kennen.

Lockvögel. Im selben Paper bauten die Forscher falsche Zugangspunkte, die sich als bekannte öffentliche Netze ausgaben. Ein Handy, das so ein Netz in seiner Liste hat, will sich verbinden und verwendete dabei damals seine echte Adresse. Mit nur fünf gefälschten Netznamen kamen die Forscher an die echte MAC-Adresse von 17,4 Prozent der Geräte. Ein eigener Versuch über den Standard Hotspot 2.0, mit dem Geräte automatisch Partner-Hotspots finden, deckte bei 5,2 Prozent der beobachteten Geräte die echte Adresse oder ein vorhersagbares Feld auf. Im Labor schickten Windows- und Linux-Rechner dabei ihre echte Adresse.

Undichte Nebenfelder. Ein Team der US Naval Academy um Jeremy Martin untersuchte 2017 Mitschnitte aus zwei Jahren mit rund 2,8 Millionen Geräten. Viele Geräte ließen die Tarnung an anderer Stelle wieder fallen, schickten mal doch Pakete mit der echten Adresse oder trugen sie versteckt im Feld für die vereinfachte Router-Kopplung WPS, aus dem sie sich zurückrechnen ließ. Mit verfeinerten Fingerabdruck-Verfahren hebelten die Forscher die Randomisierung bei rund 96 Prozent der Android-Handys aus. Dazu fanden sie einen Fehler in den Funkchips selbst: Wer die echte Adresse eines Geräts schon kannte, konnte ihm eine kurze Steuernachricht an genau diese Adresse schicken. Das Gerät antwortete, obwohl es gerade eine Zufallsadresse benutzte. So ließ sich prüfen, ob es in der Nähe war, unabhängig vom Hersteller.

Apples eigener Fehler. Im Oktober 2023 schloss Apple mit iOS 17.1 eine Lücke mit der Kennung CVE-2023-42846. Die Sicherheitsforscher Tommy Mysk und Talal Haj Bakry hatten bemerkt, dass iPhones beim Einwählen ins Netz zwar die private Adresse als Absender verwendeten, die echte Adresse aber in einer Rundnachricht an alle anderen Geräte im selben Netz mitschickten. Nach Mysks Tests betraf das alle Versionen seit iOS 14. Ein Empfänger auf der Straße sah davon nichts, wohl aber jeder, der im selben Café-WLAN saß.

Bluetooth. Auch Bluetooth Low Energy kennt zufällige Adressen, die regelmäßig wechseln. Johannes Becker und Kollegen von der Boston University zeigten 2019, dass viele Geräte in ihren Funksignalen zusätzlich Kennungen mitsenden, die nicht im selben Takt wechseln wie die Adresse. Wer beides beobachtet, kann die alte und die neue Adresse verknüpfen. Betroffen waren nach ihrer Untersuchung damals Geräte mit Windows 10, iOS und macOS. Wie Bluetooth-Tracker gezielt gegen Menschen eingesetzt werden, beschreibt unser Artikel über einen gefundenen AirTag.

Ein einzelner kleiner dunkler Router mit kurzer Antenne steht im Dämmerlicht auf einem Cafétisch zwischen leeren Tassen, sein einziges Lämpchen leuchtet warm wie ein Köder
Ein Netzname, den dein Handy kennt, reicht als Köder.

Was davon heute noch gilt

Viele dieser Befunde sind mehrere Jahre alt. Die Hersteller haben nach den Veröffentlichungen nachgebessert, und Apples Rundnachrichten-Lücke ist geschlossen. Wie viel von den älteren Angriffen auf ein Handy von 2026 noch zutrifft, lässt sich ohne neue Messungen nicht seriös sagen. Für eine nüchterne Einschätzung hilft es, die Lage nach Angreifern zu trennen.

Gegen einen passiven Zähler wie die Londoner Mülleimer, der einfach Adressen mitschreibt, ist die private Adresse genau das richtige Werkzeug. Er sieht keine feste Kennung mehr, die er über Tage hinweg wiedererkennen könnte, und müsste schon auf aufwendigere Fingerabdrücke ausweichen. Für diesen Fall wurde die Funktion gebaut.

Gegen jemanden, der ein Netz betreibt, in das du dich einwählst, hilft sie nur zwischen verschiedenen Netzen. Ein Hotel, das dich mit Zimmernummer und Namen anmelden lässt, kennt dich ohnehin, und wenn die Adresse auf „Statisch“ steht, erkennt es dich beim nächsten Besuch wieder. Gegen einen Gegner mit Aufwand und Spezialtechnik, der Fingerabdrücke und Signalstärken auswertet, ist sie eine Hürde und kein Schutzschild. Für die meisten Menschen ist dieser Gegner kein realistisches Szenario. Für Journalistinnen, Aktivisten oder Menschen, die vor einem gewalttätigen Ex-Partner geflohen sind, kann er es sein.

MAC-Adresse herausfinden: der Blick aufs eigene Gerät

Bevor du etwas umstellst, lohnt ein Blick darauf, mit welcher Adresse dein Gerät gerade unterwegs ist. Auf dem iPhone tippst du in den Einstellungen unter „WLAN“ auf die Info-Taste neben dem verbundenen Netz. Dort steht unter „WLAN-Adresse“ die Adresse, die das Gerät in diesem Netz verwendet. Bei Android findest du sie in den Details des verbundenen Netzes, bei Windows in den Eigenschaften der WLAN-Verbindung, beim Mac unter Systemeinstellungen, WLAN und dann „Details“ neben dem Netz.

Dann prüfst du das zweite Zeichen. Eine 2, 6, A oder E bedeutet, dass die private Adresse aktiv ist. Steht dort eine andere Ziffer, nutzt dein Gerät in diesem Netz die feste Herstelleradresse. Das ist kein Grund zur Panik, aber ein Hinweis, dass du dir die Einstellung für dieses Netz ansehen solltest.

MAC-Adresse ändern: die private Adresse richtig einstellen

Eine Adresse von Hand auf einen Wunschwert zu setzen, ist für Privatleute meist überflüssig, die eingebaute private Adresse erledigt dasselbe. So stellst du sie ein, nach den Anleitungen der Hersteller.

iPhone und iPad. Einstellungen öffnen, auf „WLAN“ tippen, dann auf die Info-Taste neben dem Netz. Ab iOS 18 tippst du auf „Private WLAN-Adresse“ und wählst „Aus“, „Statisch“ oder „Rotierend“. Für Café, Bahn und Hotel ist „Rotierend“ die bessere Wahl. Für das eigene Zuhause reicht „Statisch“, dein Router kennt dich ohnehin. Bei älteren Versionen gibt es nur einen Schalter „Private WLAN-Adresse“, der eingeschaltet bleiben sollte.

Mac. Ab macOS Sequoia 15 öffnest du im Apple-Menü die Systemeinstellungen, klickst in der Seitenleiste auf „WLAN“ und dann neben dem Netz auf „Details“. Im Menü neben „Private WLAN-Adresse“ stehen dieselben drei Stufen wie am iPhone.

Android. Die Bezeichnungen unterscheiden sich je nach Hersteller. Bei Google-Pixel-Geräten öffnest du die Einstellungen, tippst auf „Netzwerk & Internet“, dann auf „Internet“ und neben dem Netz auf das Zahnrad. Unter „Datenschutz“ wählst du zwischen zufälliger MAC-Adresse und der MAC-Adresse des Geräts. Weiter unten zeigt die Seite die aktuell verwendete zufällige Adresse. Laut Google ist die zufällige Adresse seit Android 10 voreingestellt. Wer bei jeder Verbindung eine neue Adresse will, kann in den Entwickleroptionen die nicht dauerhafte Randomisierung einschalten. Rechne dann damit, dass sich manche Hotspots öfter neu anmelden lassen wollen.

Windows 10 und 11. In der App „Einstellungen“ unter „Netzwerk & Internet“ und „WLAN“ findest du den Schalter „Zufällige Hardwareadressen“. Er gilt für alle Netze. Für ein einzelnes Netz gehst du über „Bekannte Netzwerke verwalten“, wählst das Netz aus und schaltest die Option dort ein. Fehlt der Schalter, unterstützt die WLAN-Hardware die Funktion meist nicht.

Ein einzelner altmodischer Kippschalter aus Messing auf einer dunklen Holzplatte, warmes Licht fällt von der Seite auf den Hebel, der Hintergrund versinkt im Schatten
Ein Schalter pro Netz. Die meisten Geräte haben ihn längst umgelegt.

Drei Gewohnheiten, die mehr bringen als Einstellungen

Gespeicherte Netze aufräumen. Das Hotel von 2019, der Flughafen-Hotspot, das Gäste-WLAN einer Firma, für die du längst nicht mehr arbeitest: Mit jedem Netz in der Liste versucht sich dein Gerät automatisch zu verbinden, und genau das nutzten die Lockvogel-Versuche von 2016 aus. Lösch, was du nicht mehr brauchst.

Automatisches Verbinden mit offenen Netzen abschalten. Manche Handys verbinden sich von selbst mit offenen Hotspots, die sie für leistungsstark halten. Bei Pixel-Geräten heißt die Option „Automatisch mit offenen WLANs verbinden“ und steht unter „Netzwerk & Internet“, „Internet“, „Netzwerkeinstellungen“. Andere Hersteller benennen sie anders. Wenn du sie nicht bewusst nutzt, schalte sie aus.

Bluetooth aus, wenn du es nicht brauchst. Kopfhörer, Uhr und Auto brauchen es. Den Rest des Tages funkt es nur, und auch dort haben Forscher Lücken in der Tarnung gefunden.

MaßnahmeSchützt vorSchützt nicht vor
Private WLAN-Adresse „Rotierend“Langfristiger Wiedererkennung im selben NetzAnmeldung mit Namen oder Zimmernummer im Hotspot
Private Adresse pro NetzVerknüpfung deiner Besuche in verschiedenen NetzenWiedererkennung im selben Netz bei „Statisch“
Alte Netze löschenAutomatischem Einwählen in Lockvogel-NetzeFingerabdrücken aus technischen Angaben
WLAN-Automatik für offene Netze ausUngewollten Verbindungen unterwegsSuchrufen, solange WLAN eingeschaltet ist
Bluetooth ausBluetooth-VerfolgungVerfolgung über WLAN oder Mobilfunk
WLAN ganz ausAllem, was über WLAN läuftOrtung über Mobilfunk und App-Berechtigungen

Was die private Adresse nicht schützt

Die MAC-Adresse ist eine Kennung unter vielen, und nicht die stärkste. Sobald dein Handy im Internet ist, sieht jede Website deine IP-Adresse, ganz gleich, welche MAC-Adresse du im Café verwendest. Ein VPN verschiebt diese Spur zum VPN-Anbieter, was es kann und was nicht, steht im Artikel VPN: was es wirklich kann.

Apps auf dem Handy kommen ebenfalls ohne MAC-Adresse aus. Sie haben die Werbe-ID, über die Datenhändler Bewegungsprofile von Millionen Menschen in Deutschland gesammelt haben. Wie das lief, zeigt der Artikel über die Werbe-ID. Dazu kommen Konten, mit denen du dich anmeldest, und der Mobilfunk, der dein Handy unabhängig vom WLAN in der Funkzelle führt.

Die private Adresse macht also eine bestimmte Art der Verfolgung schwer, das stille Mitzählen im öffentlichen Raum. Mehr verspricht auch kein Hersteller.

Was bleibt

Renew hat 2013 eine Idee ausprobiert, die damals billig und unbemerkt funktionierte. Ein Handy, das mit fester Adresse nach Netzen ruft, ist für jeden Empfänger auf der Straße wiedererkennbar. Ladenketten und Verkehrsbetriebe haben das genutzt, ein Nachrichtendienst wertete WLAN-Daten von Reisenden aus. Seitdem haben Apple, Google und Microsoft die Adressen nach und nach zum Wechseln gebracht. Für den Alltag ist das ein echter Fortschritt, auch wenn Forscher die Tarnung wiederholt umgangen haben.

Für dich bedeutet das wenig Arbeit. Prüf das zweite Zeichen deiner WLAN-Adresse, stell öffentliche Netze auf „Rotierend“, wirf alte Netze aus der Liste und schalte Bluetooth aus, wenn du es nicht brauchst. Das dauert fünf Minuten, und ein Mülleimer wie der von 2013 hat es danach deutlich schwerer, dich wiederzuerkennen.


Quellen: Quartz, Siraj Datoo, This recycling bin is following you (englisch), 08.08.2013 · BBC News, City of London calls halt to smartphone tracking bins (englisch), 12.08.2013 · Federal Trade Commission, Retail Tracking Firm Settles FTC Charges it Misled Consumers About Opt Out Choices (englisch), 23.04.2015 · Transport for London, TfL to use depersonalised Wi-Fi data collection technology (englisch), 2019 · CBC News, Greg Weston, CSEC used airport Wi-Fi to track Canadian travellers (englisch), 30.01.2014 · IEEE Registration Authority, MAC-Adressblöcke, öffentliche Liste (englisch) · Apple Support, Private WLAN-Adressen auf Apple-Geräten verwenden · Android Open Source Project, MAC randomization behavior (englisch) · Microsoft Support, Verwenden zufälliger Hardwareadressen in Windows · Mathy Vanhoef u. a., Why MAC Address Randomization is not Enough (englisch, PDF), ACM AsiaCCS 2016 · Jeremy Martin u. a., A Study of MAC Address Randomization in Mobile Devices and When it Fails (englisch), PETS 2017 · Johannes K. Becker, David Li, David Starobinski, Tracking Anonymized Bluetooth Devices (englisch, PDF), PETS 2019 · Ars Technica, iPhones have been exposing your unique MAC despite Apple’s promises otherwise (englisch), 26.10.2023

Häufige Fragen

Was ist eine MAC-Adresse?
Eine Hardware-Kennung, mit der sich ein Gerät in einem lokalen Netz ausweist, also im WLAN, per Netzwerkkabel oder über Bluetooth. Sie besteht aus zwölf Zeichen, meist als sechs Paare geschrieben, etwa 3C:22:FB:1A:2B:3C. MAC steht für Media Access Control und hat mit Apples Mac-Computern nichts zu tun. Jedes Smartphone, jeder Laptop und jeder Fernseher mit Netzanschluss hat mindestens eine.
Kann man über die MAC-Adresse den Hersteller herausfinden?
Ja, bei einer festen Geräteadresse schon. Die ersten drei Paare vergibt der Ingenieursverband IEEE an Hersteller, und die Liste dieser Blöcke ist öffentlich. Bei einer zufälligen, privaten Adresse funktioniert das nicht: Dort ist das zweite Zeichen eine 2, 6, A oder E, und der Rest ist ausgewürfelt. Dann verrät der Anfang keinen Hersteller mehr.
Kann man mich über meine MAC-Adresse orten?
Nicht aus der Ferne über das Internet, denn die MAC-Adresse verlässt dein lokales Netz im Normalfall nicht. Wer aber Empfänger in Funkreichweite aufstellt, kann ein Gerät mit fester Adresse an verschiedenen Orten wiedererkennen. Genau das taten 2013 Werbe-Mülleimer in London. Moderne Handys funken deshalb mit wechselnden Adressen, was diese Art der Verfolgung deutlich erschwert.
Was bedeutet „Private WLAN-Adresse“ auf dem iPhone?
Das iPhone meldet sich seit iOS 14 bei jedem WLAN mit einer eigenen, zufälligen MAC-Adresse statt mit der festen Geräteadresse. Seit iOS 18 gibt es drei Stufen: „Aus“ nutzt die echte Adresse, „Statisch“ eine feste Zufallsadresse für dieses eine Netz, „Rotierend“ eine Adresse, die laut Apple alle zwei Wochen wechselt. Du stellst das unter Einstellungen, WLAN, Info-Taste neben dem Netz ein.
Sollte ich die private WLAN-Adresse ausschalten?
In der Regel nein. Apple empfiehlt ausdrücklich, sie eingeschaltet zu lassen. Ausschalten ist nur nötig, wenn ein Netz Geräte über die feste Adresse freischaltet, etwa in manchen Firmen, Schulen oder bei einer Kindersicherung am Router. Dann reicht es, die Funktion für genau dieses eine Netz abzuschalten und für alle anderen eingeschaltet zu lassen.
Ist die MAC-Adresse dasselbe wie die IP-Adresse?
Nein. Die IP-Adresse bestimmt den Weg deiner Daten durchs Internet und ist für jede Website sichtbar, die du aufrufst. Die MAC-Adresse gilt nur im lokalen Netz, also zwischen deinem Gerät und dem Router. Schon am Router endet sie, nach außen sieht ein Server nur die IP-Adresse. Für Ortung im Vorbeigehen ist deshalb die MAC-Adresse das Problem, für Ortung über das Netz die IP.
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