Versteckte Kamera finden: 10-Minuten-Check für Ferienwohnung und Hotel
Versteckte Kamera finden mit Taschenlampe, Handykamera und WLAN-Liste: was in Ferienwohnung und Hotel wirklich hilft, welche Tests Mythen sind und was du bei einem Fund tust.
Du kommst abends in der Ferienwohnung an, stellst den Koffer ab, und irgendwo im Hinterkopf ist diese Frage: Hängt hier etwas, das mich filmt? Die gute Nachricht vorweg, die meisten Unterkünfte sind genau das, wonach sie aussehen. Wer trotzdem eine versteckte Kamera finden will, braucht dafür weder Spezialgerät noch Paranoia, sondern zehn Minuten, ein Smartphone und das Wissen, welche Methode was leistet.
Genau daran hapert es in vielen Ratgebern. Sie reihen Tipps aneinander, vom Fingernagel am Spiegel bis zur Detektor-App aus dem Store, und lassen offen, was davon wirklich etwas findet. Dieser Text sortiert das: wo Kameras typischerweise stecken, welche Handgriffe in der Forschung tatsächlich etwas bringen, welche Tests du dir sparen kannst, was Airbnb und Booking.com ihren Gastgebern erlauben und was du tust, wenn du wirklich etwas entdeckst.
Wie oft kommt das überhaupt vor?
Eine belastbare Zahl für Deutschland gibt es nicht. Weder die Plattformen noch die Polizei veröffentlichen, wie oft Gäste in Ferienwohnungen oder Hotels versteckte Kameras finden. Was es gibt, sind Einblicke von außen.
Der aufschlussreichste stammt aus den USA. Der Sender CNN hat 2024 Gerichts- und Polizeiakten zu Airbnb ausgewertet. In einer Zeugenaussage gab eine Vertreterin des Unternehmens an, dass seit Dezember 2013 rund 35.000 Support-Tickets zu Überwachungsgeräten eingegangen seien. Airbnb hält dagegen, dass eine einzelne Meldung mehrere Tickets erzeugen kann und auch harmlose Fälle darunter sind, etwa eine defekte Türklingelkamera. Wie viele echte Funde dahinterstecken, hat das Unternehmen nicht gesagt.
Die Zahl taugt also nicht für eine Wahrscheinlichkeit. Sie zeigt aber, dass das Thema kein reines Internetgerücht ist. Airbnb selbst schreibt in seiner Ankündigung von 2024, die Mehrheit der Inserate melde gar keine Sicherheitskamera. Für deine nächste Reise heißt das: Angst ist unangebracht, ein kurzer Check bei der Ankunft ist vernünftig, so wie man auch kurz schaut, wo der Notausgang ist.
Wo versteckte Kameras typischerweise stecken
Wer heimlich filmen will, braucht drei Dinge: einen Platz mit Blick auf Bett, Dusche oder Toilette, Strom für viele Stunden und einen Gegenstand, der im Raum nicht auffällt. Daraus ergibt sich fast von selbst, wo man suchen muss. In den Akten, die CNN ausgewertet hat, steckten Kameras zum Beispiel in einem Handy-Ladegerät im Schlafzimmer und in einem Radiowecker, der aufs Bett gerichtet war.
| Gegenstand | Warum er sich eignet | Worauf du achtest |
|---|---|---|
| Rauchmelder | hängt an der Decke, Blick auf den ganzen Raum, fällt nie auf | zweiter Melder im selben Raum, Melder über dem Bett statt im Flur, kleines dunkles Loch mitten im Gehäuse |
| USB-Ladegerät, Steckdosenadapter | hat Dauerstrom, steckt oft in Bettnähe | Ladegerät, das schon steckt, obwohl nichts angeschlossen ist; Gerät ohne erkennbaren Hersteller |
| Wecker, Radiowecker | steht auf dem Nachttisch, zeigt aufs Bett | dunkle Front, hinter der etwas sitzen kann; Ausrichtung genau aufs Kissen |
| Router, TV-Box, Lautsprecher | blinkt sowieso, hat Strom und Netz | Gerät im Schlaf- oder Badezimmer, wo es technisch nichts verloren hat |
| Bilderrahmen, Deko, Pflanzen | lassen sich überall hinstellen | Objekte, die seltsam ausgerichtet sind oder ein Loch haben, das zu keinem Zweck passt |
| Lüftungsgitter, Lampen, Spiegel | fest eingebaut, kein Gast fasst sie an | frische Schrauben, Klebereste, ein Kabel, das nirgends hinführt |
Kein einziger dieser Gegenstände ist an sich verdächtig. Fast jede Wohnung hat einen Rauchmelder und ein Ladegerät. Interessant wird es, wenn etwas an einer Stelle steht, an der es keinen Sinn ergibt, oder wenn es genau auf die Stellen zeigt, an denen du dich ausziehst.
Versteckte Kamera finden: der 10-Minuten-Check
Die folgende Reihenfolge hat einen Grund. Erst schaust du, wo eine Kamera überhaupt Sinn ergäbe, dann prüfst du gezielt diese Stellen. Den ganzen Raum Zentimeter für Zentimeter abzusuchen kostet eine Stunde und bringt wenig.
1. Blickachsen klären. Stell dich ans Bett, in die Dusche, vor die Toilette und dorthin, wo du dich umziehst. Von dort aus schaust du, welche Gegenstände freie Sicht auf dich hätten. Nur die kommen in Frage. Ein Rauchmelder im Flur ist uninteressant, ein Wecker, der genau aufs Kissen gerichtet ist, nicht.
2. Ansehen und anfassen. Nimm die Gegenstände auf deiner Liste in die Hand, soweit das geht. Hat das Ladegerät eine Herstellerangabe? Klingt die Uhr hohl? Gibt es ein Loch, das kleiner als ein Stecknadelkopf ist und zu keiner Funktion passt? Die Linsen solcher Kameras haben laut einer Studie der National University of Singapore oft nur einen bis zwei Millimeter Durchmesser (wie gut Menschen Kameras finden, hat dieselbe Studie gemessen, das Ergebnis steht weiter unten). Mit bloßem Auge suchst du also nach etwas sehr Kleinem, das meist in einer dunklen Fläche sitzt.
3. Licht aus, Taschenlampe an. Mach den Raum so dunkel wie möglich. Halt die Handytaschenlampe direkt neben dein Auge und leuchte die verdächtigen Stellen langsam ab. Eine Kameralinse wirft das Licht fast genau zur Quelle zurück, ein Effekt, den Fachleute Retroreflexion nennen und den man von Katzenaugen kennt. Du siehst dann einen kleinen, scharfen, hellen Punkt. Wichtig ist der Winkel: Laut der Singapurer Forscher ist der Reflex nur in einem schmalen Bereich von etwa 20 Grad sichtbar. Also langsam bewegen, mehrere Positionen ausprobieren, und nicht von jedem Glitzern erschrecken, denn Schrauben, Lack und Glas glänzen auch.
4. Mit der Handykamera nach Infrarot suchen. Viele Kameras, die im Dunkeln filmen sollen, haben Infrarot-LEDs. Dieses Licht siehst du nicht, eine Handykamera aber oft schon. Die NASA beschreibt den Effekt mit einer TV-Fernbedienung: Deren Infrarot-Licht ist fürs Auge unsichtbar, auf dem Display mancher Handykameras aber zu sehen. Mach genau diesen Test zuerst. Richte die Fernbedienung auf die Kamera deines Handys, drück eine Taste und schau, ob ein Punkt aufleuchtet. Probier Front- und Rückkamera, oft sieht nur eine von beiden das Licht. Dann schwenkst du im dunklen Raum mit dieser Kamera über die verdächtigen Stellen.
Diese Methode hat eine Grenze, die viele Ratgeber verschweigen. Infrarot-LEDs mit einer Wellenlänge um 850 Nanometer glimmen schwach rot, solche um 940 Nanometer kaum oder gar nicht, so beschreibt es der Hersteller AXTON in einem technischen Überblick. Und eine Kamera ohne Nachtsicht hat gar keine LEDs. Findest du nichts, ist das ein gutes Zeichen, aber keine Entwarnung.
5. WLAN-Liste anschauen. Öffne auf dem Handy die WLAN-Einstellungen und schau, welche Netze in Reichweite sind. Ein unbekanntes Netz mit starkem Signal mitten in der Wohnung, dessen Name nach Kamera oder Hersteller klingt, ist eine Frage an den Gastgeber wert. Wenn du im WLAN der Unterkunft eingeloggt bist, kann eine Netzwerk-Scan-App die Geräte im Netz auflisten. Viele zeigen dabei den Hersteller an, abgeleitet aus dem Anfang der Geräteadresse. Wie das funktioniert, erklärt unser Artikel über die MAC-Adresse.
Auch hier gilt: Der Scan sieht nur das Netz, in dem du gerade bist. Eine Kamera in einem zweiten Netz des Gastgebers taucht dort nicht auf. Und laut dem Singapurer Paper speichern viele kleine Kameras ihre Aufnahmen nur auf einer Speicherkarte, um Strom zu sparen. Die senden gar nichts.
6. Bluetooth-Liste prüfen. Schalt Bluetooth ein und schau, welche Geräte in der Nähe auftauchen. Kameras laufen selten über Bluetooth, aber ein unbekanntes Gerät in Bettnähe lohnt einen Blick. Für Tracker wie AirTags gibt es eigene Warnfunktionen auf iPhone und Android, die wir im Artikel AirTag gefunden? beschreiben.
Was die Forschung über diese Methoden sagt
Wie gut Menschen versteckte Kameras finden, hat ein Team der National University of Singapore und der Yonsei-Universität 2021 gemessen. Die Forscher präparierten 30 Alltagsgegenstände, in neun davon steckte eine Kamera mit einer Linse von rund 1,5 Millimetern. 379 Teilnehmer sahen sich Videos dieser Gegenstände an, aufgenommen entweder normal oder durch den Sucher eines handelsüblichen Kamera-Detektors mit roten LEDs, und sollten markieren, wo eine Kamera sitzt. Zum Vergleich testeten die Forscher eine eigene App, die den Tiefensensor mancher Android-Handys nutzt.
| Methode | Kameras gefunden | Fehlalarme |
|---|---|---|
| bloßes Auge | 46,0 % | 54,9 % |
| Detektor, Blinklicht | 57,7 % | 35,2 % |
| Detektor, Dauerlicht | 62,3 % | 26,9 % |
| Forschungs-App mit Tiefensensor (LAPD) | 88,9 % | 16,7 % |
Mit bloßem Auge fanden die Teilnehmer also knapp die Hälfte der Kameras, mit Detektor rund sechs von zehn und mit der Forschungs-App fast neun von zehn.
Zwei Dinge sind daran wichtig. Erstens findet auch ein spezielles Gerät unter Laborbedingungen nur ungefähr sechs von zehn Kameras, und das, obwohl die Forscher sichergestellt hatten, dass der Reflex in jedem Video sichtbar war. Zweitens erzeugen alle Methoden, die vom menschlichen Urteil abhängen, viele Fehlalarme. Ein glänzender Knopf sieht durch den Sucher schnell aus wie eine Linse. Die Forschungs-App, die am besten abschnitt, ist ein Prototyp und kein Produkt, das man sich herunterladen kann.
Eine zweite Arbeit der Carnegie Mellon University von 2022 hat sich das Problem von der Funkseite angesehen. Das System namens Lumos erkannte in sechs Testumgebungen 44 verschiedene WLAN-Geräte zu 95 Prozent richtig und ortete sie im Mittel auf 1,5 Meter genau. Dafür lauscht es auf Funkverkehr über alle Kanäle, was ein normales Handy nicht kann. Die Forscher betonen selbst, dass ein Gast meist nur Zugang zum Gästenetz hat und die Geräte des Gastgebers woanders funken können.
Die ehrliche Zusammenfassung: Der 10-Minuten-Check senkt das Risiko deutlich, eine Garantie gibt es nicht. Eine Kamera ohne Funk, ohne Infrarot und hinter einer winzigen Öffnung kann auch einem aufmerksamen Gast entgehen.
Kamera-Detektor und Apps: was sie können
Wer „versteckte Kamera finden App kostenlos“ sucht, landet bei einer langen Reihe von Store-Einträgen. Hinter fast allen steckt eine von drei Techniken, und die lassen sich gut einordnen, ohne jede App einzeln zu testen.
| Technik | Was sie findet | Was sie verpasst |
|---|---|---|
| Netzwerk-Scan im WLAN | Kameras und andere Geräte im selben Netz wie du, oft mit Hersteller | Geräte in einem anderen Netz, Kameras, die nur auf Speicherkarte aufnehmen |
| Kamerabild mit Filter (Infrarot, Reflex) | Infrarot-LEDs, Linsenreflexe, wenn du nah genug und im richtigen Winkel bist | Kameras ohne Nachtsicht, LEDs mit 940 nm, Linsen hinter Öffnungen |
| Magnetfeldsensor | Metall und Elektronik in wenigen Zentimetern Abstand | den Unterschied zwischen Kamera, Netzteil, Schraube und Lautsprecher |
Die ersten beiden Techniken kannst du genauso gut mit Bordmitteln nutzen, wie im Check oben beschrieben. Eine App macht das bequemer, mehr nicht. Die dritte Technik ist für die Suche nach Kameras praktisch wertlos, weil in einer Wohnung alles voller Metall und Elektronik steckt.
Bei den Detektoren für die Reisetasche gibt es zwei Bauarten. Geräte mit roten LEDs und kleinem Sucher arbeiten optisch, also wie die Taschenlampe, nur mit besserem Kontrast. Das sind die Geräte aus der Singapurer Studie. Geräte, die Funksignale messen und piepen, schlagen bei WLAN-Routern, Handys und Bluetooth-Lautsprechern genauso an wie bei einer Kamera. In einer Ferienwohnung voller Funkgeräte ist so ein Piepen kaum zu deuten. Und Kameras, die gar nicht funken, bleiben stumm.
Achte bei Apps außerdem auf Berechtigungen und Abos. Eine App, die das WLAN scannen soll, braucht Zugriff aufs lokale Netz. Eine App, die dafür zusätzlich deine Kontakte oder deinen Standort im Hintergrund will, solltest du lieber nicht installieren.
Mythen, die du dir sparen kannst
Der Fingernagel-Test. Er kursiert spätestens seit 1999 per Kettenmail und heute als Kurzvideo: Fingernagel auf den Spiegel, und wenn zwischen Nagel und Spiegelbild keine Lücke ist, soll es ein Spionspiegel sein. Das Faktencheck-Portal Snopes hat das schon damals auseinandergenommen. Der Test zeigt nur, ob die spiegelnde Schicht vorne auf dem Glas liegt oder dahinter. Ob man die Lücke richtig sieht, hängt von Licht, Winkel, Spiegelgröße und dem Gegenstand ab, den man hinhält.
Aussagekräftiger sind laut Snopes, das sich dabei auf den technischen Support eines Herstellers solcher Spiegel beruft, ganz einfache Beobachtungen. Ein Durchsichtspiegel muss in die Wand eingelassen sein wie ein Fenster, denn dahinter braucht es einen Raum. Ein Spiegel, der an der Wand hängt, ist fast sicher ein normaler. Klopfen hilft: Ein normaler Spiegel vor einer Wand klingt dumpf, einer mit Hohlraum dahinter eher hohl. Und die Raumseite muss viel heller sein als die Seite des Beobachters. Leg die Hände wie einen Tunnel ums Gesicht und drück sie ans Glas, dann siehst du bei einem Durchsichtspiegel etwas vom Raum dahinter. Ehrlich gesagt geht es bei versteckten Kameras heute selten um Spiegel, eine winzige Kamera ist billiger und leichter zu verstecken.
Knacken beim Telefonieren. Der Tipp, mit dem Handy am Ohr durch die Räume zu gehen und auf Störgeräusche zu achten, hilft bei versteckten Kameras nicht weiter. Sie übertragen digital über WLAN oder speichern nur auf eine Karte. Ein Knacken in der Leitung sagt darüber nichts.
Magnetfeld-Apps. Siehe oben: Sie reagieren auf jede Schraube und jedes Netzteil. Ein Ausschlag ist kein Hinweis auf eine Kamera.
Was Airbnb und Booking.com erlauben
Die Plattformen haben eigene Regeln, und die sind teils strenger, als viele denken. Für die Suche bei der Ankunft hilft es zu wissen, was überhaupt erlaubt ist. Alles, was in der Tabelle als verboten steht, ist ein Grund für eine Meldung, ganz egal, ob es aufnimmt oder nicht.
| Airbnb | Booking.com | |
|---|---|---|
| Kameras in Innenräumen | verboten, auch ausgeschaltet, seit 30. April 2024 weltweit | nur in Gemeinschaftsbereichen wie Eingang oder Flur, nicht wo Gäste Privatsphäre erwarten |
| Versteckte Kameras | immer verboten | als inakzeptables Verhalten ausdrücklich genannt |
| Außenkameras | erlaubt, Ort muss vor der Buchung im Inserat stehen | erlaubt in Bereichen wie Eingang oder Parkplatz, muss im Unterkunftsprofil stehen |
| Tabu-Bereiche | Schlafzimmer, Bad, Wohnzimmer, Flur; außen z. B. geschlossene Außendusche, Sauna | bei exklusiv gemieteter Unterkunft u. a. Wohnzimmer und Küche; Sauna, Spa |
| Babyfon, Türklingelkamera | gelten als Aufnahmegerät | nicht gesondert genannt |
| Smart Speaker (Alexa, Nest) | erlaubt, Offenlegung nur empfohlen | nicht gesondert genannt |
| Lärmmesser | erlaubt, wenn offengelegt, nicht in Schlaf- und Badezimmern | nicht gesondert genannt |
Airbnb hat die Innenkameras im März 2024 verboten. Vorher waren sie in Gemeinschaftsräumen erlaubt, wenn der Gastgeber sie offenlegte und sie gut sichtbar waren. Seit dem 30. April 2024 gilt das nicht mehr, egal wo im Haus, wozu und ob angekündigt. Eine Ausnahme nennt Airbnb in seiner Hilfe für bestimmte Unterkünfte in Japan mit Hotel-Lizenz, wo das Gesetz eine Kamera am Eingang verlangen kann. Die muss offengelegt sein und darf keinen Ton aufnehmen.
Booking.com formuliert seine Regeln in den Richtlinien für Vertrauen und Sicherheit etwas allgemeiner. Überwachungsgeräte sollen nur in Gemeinschaftsbereichen der Sicherheit dienen und müssen im Profil der Unterkunft stehen, damit Gäste vorher entscheiden können. Für Hotels gilt in der Praxis dasselbe: Kameras in Lobby, Fluren und am Parkplatz sind üblich, im Zimmer haben sie nichts zu suchen.
Lies vor der Buchung den Abschnitt zu Sicherheitsgeräten im Inserat. Steht dort eine Kamera, weißt du, wo sie hängt. Findest du vor Ort eine, die dort nicht steht, ist das schon ein Verstoß gegen die Regeln der Plattform, auch wenn sie nur den Garten filmt.
Du hast etwas gefunden: so gehst du vor
Der erste Impuls ist, das Ding von der Wand zu reißen. Genau das solltest du nicht tun. Die Kamera, ihre Speicherkarte und die Art, wie sie befestigt ist, sind Beweise. Wer sie abbaut, zerstört womöglich Spuren und gibt dem Gastgeber später die Möglichkeit zu sagen, das Gerät habe nie dort gehangen.
- Ruhe bewahren und dokumentieren. Fotografiere den Gegenstand an seinem Platz, aus der Nähe und mit Umgebung, sodass man sieht, wohin er zeigt. Ein kurzes Video, in dem du vom Bett zum Gerät schwenkst, ist noch besser. Notiere Datum, Uhrzeit und Adresse.
- Nicht den Gastgeber ansprechen. Das klingt hart, hat aber einen Grund. Laut CNN warnen Fachleute aus der Strafverfolgung, dass ein Kontakt zum Gastgeber Zeit gibt, Beweise zu vernichten. Bei einer Kamera, die mit dem Netz verbunden ist, kann er Aufnahmen aus der Ferne löschen.
- Wenn nötig abdecken statt abbauen. Ein Klebezettel über der Öffnung, ein Handtuch über dem Wecker, das Ladegerät mit der Linse zur Wand gedreht, ohne es auszustecken. Einen echten Rauchmelder deckst du nie ganz ab, er soll im Brandfall weiter funktionieren. So schützt du dich, ohne Spuren zu verändern.
- Anzeige erstatten. Ein Kamerafund ist in der Regel kein Notfall, die Kamera läuft nicht weg. Geh zur örtlichen Polizeiwache oder nutze die Onlinewache deines Bundeslandes, im Ausland die Polizei vor Ort. Die 110 brauchst du nur, wenn du dich akut bedroht fühlst, etwa weil der Gastgeber vor der Tür steht. Die Polizei kann das Gerät sichern und auswerten lassen. Laut einer Aussage einer Airbnb-Vertreterin in einem US-Verfahren, über die CNN berichtet hat, meldet das Unternehmen solche Verstöße nicht von sich aus an die Polizei. Den Schritt musst du also selbst gehen.
- Plattform informieren. Melde den Fund über den Hilfebereich der App, mit Fotos. Airbnb kann Inserate und Konten entfernen, Booking.com sieht versteckte Geräte ausdrücklich als Verstoß.
- Unterkunft wechseln, wenn du dich unwohl fühlst. Niemand muss eine Nacht neben einer Kamera verbringen, um Beweise zu retten. Frag die Plattform nach einer Ersatzunterkunft.
Hotel oder Ferienwohnung: ein Unterschied?
Im Hotel ist die Lage etwas anders. Zimmer werden täglich gereinigt, Personal und Gäste wechseln häufig, und ein Gerät, das dort jemand versteckt, kann auch von einem früheren Gast stammen statt vom Haus. Der Check funktioniert genauso. Bei einem Fund gilt dieselbe Reihenfolge, nur ist der erste Ansprechpartner nach der Polizei die Hotelleitung, nicht die Buchungsplattform.
In der Ferienwohnung hat der Gastgeber dagegen dauerhaft Zugang und Kontrolle über Strom, Netz und Einrichtung. Deshalb ist hier der Blick ins Inserat vor der Buchung so wichtig, und deshalb lohnt der WLAN-Blick. Offene Kameras, die ohne Absicht des Besitzers frei im Netz zu sehen sind, sind übrigens ein eigenes Problem, über das wir im Artikel zu Webcams und Insecam geschrieben haben.
Was bleibt
Eine versteckte Kamera zu finden ist mit Bordmitteln möglich, aber nicht sicher. Wer bei der Ankunft zehn Minuten investiert, die Blickachsen von Bett und Bad prüft, im Dunkeln mit der Taschenlampe nach Reflexen sucht und kurz in die WLAN-Liste schaut, deckt die häufigsten Verstecke ab. Die Forschung zeigt, dass selbst ein Detektor nur einen Teil der Kameras findet. Das ist kein Grund zur Panik, eher einer, sich nicht auf ein Gerät oder eine App zu verlassen.
Und falls du wirklich etwas findest: Finger weg, Fotos machen, Anzeige erstatten, Plattform informieren. In dieser Reihenfolge.
Häufige Fragen
- Wie finde ich eine versteckte Kamera mit dem Handy?
- Mit drei Funktionen, die jedes Smartphone hat. Erstens die Taschenlampe: Im dunklen Raum, das Licht nah am Auge, wirft eine Kameralinse einen kleinen, hellen Punkt zurück, der sich beim Bewegen kaum verändert. Zweitens die Kamera selbst: Viele Handykameras zeigen das Licht von Infrarot-LEDs, die manche Kameras für Nachtsicht nutzen, als violetten oder weißen Punkt. Teste vorher mit einer Fernbedienung, ob deine Kamera das kann, oft klappt es nur mit der Frontkamera. Drittens die WLAN- und Bluetooth-Liste: Unbekannte Gerätenamen oder ein zweites Netzwerk in der Wohnung sind ein Hinweis, aber kein Beweis.
- Funktionieren Apps, die versteckte Kameras finden sollen?
- Nur so weit, wie die Technik des Handys reicht. Apps, die das WLAN nach Geräten durchsuchen, können eine Kamera finden, wenn sie im selben Netz hängt wie du. Apps, die das Kamerabild für Infrarot oder Linsenreflexe aufbereiten, helfen beim Hinschauen. Apps, die mit dem Magnetfeldsensor nach Kameras suchen, schlagen bei jedem Metallteil und jedem Netzteil aus und sagen über eine Kamera wenig. Eine Kamera, die nur auf eine Speicherkarte aufnimmt und keine Infrarot-LEDs hat, findet keine App über Funk.
- Lohnt sich ein Kamera-Detektor für die Reise?
- Ein Detektor mit roten LEDs und Sucher macht Linsenreflexe besser sichtbar als das bloße Auge. In einer Studie der National University of Singapore fanden Testpersonen mit so einem Gerät rund sechs von zehn versteckten Kameras, mit bloßem Auge knapp die Hälfte. Gleichzeitig gab es viele Fehlalarme durch glänzende Oberflächen. Wer viel reist und sich damit sicherer fühlt, kann einen nutzen. Eine Garantie ist er nicht, und günstige Funk-Detektoren, die nur piepen, sind in einer Wohnung voller WLAN-Geräte kaum zu deuten.
- Sind Kameras in Airbnb-Unterkünften erlaubt?
- Innen nicht. Seit dem 30. April 2024 verbietet Airbnb weltweit Überwachungskameras und Aufnahmegeräte in Innenräumen, auch wenn sie ausgeschaltet sind. Versteckte Kameras waren schon vorher verboten. Außenkameras, etwa an der Haustür, sind erlaubt, müssen aber vor der Buchung im Inserat stehen und dürfen nicht in Bereiche wie eine geschlossene Außendusche oder Sauna zeigen. Eine Ausnahme gibt es für bestimmte Unterkünfte in Japan mit Hotel-Lizenz.
- Was mache ich, wenn ich eine versteckte Kamera finde?
- Nichts kaputt machen und nichts mitnehmen. Fotografiere die Kamera an ihrem Platz, mit Umgebung und Uhrzeit, und notiere, wohin sie zeigt. Sprich den Gastgeber nicht darauf an, denn so hätte er Zeit, Aufnahmen zu löschen. Verlass die Unterkunft, wenn du dich unwohl fühlst, und melde den Fund bei der Polizei und der Buchungsplattform. Wenn du die Kamera bis dahin abdecken willst, nimm ein Handtuch statt sie abzureißen.
- Funktioniert der Fingernagel-Test bei Spiegeln?
- Nicht zuverlässig. Der Test zeigt nur, ob die spiegelnde Schicht vorn oder hinter einer Glasscheibe liegt. Ob man den Abstand zwischen Fingernagel und Spiegelbild richtig einschätzt, hängt laut dem Faktencheck-Portal Snopes von Licht, Winkel und Spiegelgröße ab. Aussagekräftiger ist, ob der Spiegel an der Wand hängt oder in sie eingelassen ist, ob er beim Klopfen hohl klingt und ob man mit den Händen als Tunnel vor den Augen etwas dahinter erkennt.