Wayback Machine: was das Web-Archiv über dich aufbewahrt

Die Wayback Machine speichert alte Webseiten, auch längst gelöschte. Was dort über dich oder deinen Verein liegt, wie du es prüfst und entfernen lässt.

Eine weite, dunkle Lagerhalle mit hohen Regalen voller schlichter Kartons, von denen ein einziger in der Mitte von einem warmen Lichtstrahl getroffen wird
Alle Bilder in diesem Artikel sind KI-generierte Symbolbilder.

Am 5. Januar 2022 meldete die Bild-Zeitung, gedruckt und auf bild.de, eine bekannte Sängerin habe ihr Kind zu Hause zur Welt gebracht. Das stimmte nicht. Das Kind war in einer Klinik geboren worden. Die Sängerin zog vor Gericht. Kompliziert wurde der Fall durch etwas, das mit dem Verlag zunächst wenig zu tun hatte: Dritte hatten den Artikel kopiert, unter anderem in die Wayback Machine, das große Web-Archiv des Internet Archive.

Das Kammergericht Berlin hielt diese Kopien noch für vernachlässigbar, weil Suchmaschinen sie nicht finden. Der Bundesgerichtshof sah das am 31. März 2026 anders (Aktenzeichen VI ZR 157/24): Mit einer gezielten Suche ließen sie sich weiter abrufen. “Dies genügt, um eine fortdauernde Beeinträchtigung des allgemeinen Persönlichkeitsrechts zu bejahen”, heißt es in Randnummer 61. Der Verlag muss deshalb darauf hinwirken, dass die falsche Behauptung auch aus den Archivkopien verschwindet.

Ein falscher Bericht ist ein Extremfall, doch das Prinzip betrifft fast jeden, der einmal eine Website hatte, in einem Verein aktiv war oder auf einer Firmenseite stand: Was einmal öffentlich war, liegt mit guter Wahrscheinlichkeit noch irgendwo als Kopie. Hier geht es darum, was dort über dich oder deine Organisation liegen kann, wie du nachsiehst und wie du etwas wieder herausbekommst.

Was die Wayback Machine eigentlich ist

Hinter der Wayback Machine steht das Internet Archive aus San Francisco, das Brewster Kahle im April 1996 gegründet hat. Im Oktober desselben Jahres schickte das Archiv seine ersten Crawler los, also Programme, die Webseiten abrufen und eine Kopie ablegen. Das gesamte Web war damals nach Angaben des Archivs gerade einmal 2,5 Terabyte groß. Öffentlich durchsuchbar wurde die Sammlung 2001, und am 22. Oktober 2025 feierte das Internet Archive eine Billion gespeicherte Webseiten, also tausend Milliarden.

Die Bedienung ist schlicht. Du gibst auf web.archive.org eine Adresse ein und bekommst einen Kalender, in dem jeder markierte Tag für eine Kopie steht. Ein Klick darauf zeigt die Seite so, wie sie damals aussah, oft mit Bildern und Layout. Für die meisten Menschen ist das ein nostalgischer Ausflug zur ersten eigenen Homepage oder zur Vereinsseite von 2008.

Wichtiger als die Größe ist etwas anderes: Das Archiv sammelt von sich aus, ohne dich zu fragen, und jeder kann selbst nachhelfen.

Ein Stück Bernstein auf dunklem Stein, in dem ein kleines Blatt mit allen Adern eingeschlossen ist, von hinten warm beleuchtet
Was das Archiv einmal erfasst hat, bleibt so, wie es an diesem Tag war.

Save Page Now: jeder kann sichern

Unter web.archive.org/save gibt es ein Formular, in das man eine Adresse einträgt, und das Archiv legt sofort eine Kopie mit dauerhafter Adresse an. Gespeichert wird nur diese eine Seite samt Bildern, keine verlinkten Unterseiten. Ein Satz aus der Hilfe ist für unser Thema besonders aufschlussreich: “We do not keep your IP address, so your submission is anonymous.” Wer eine Seite sichert, bleibt also unbekannt.

Für Journalistinnen und Faktenchecker ist das ein Segen. Am 17. Juli 2014 schrieb der Separatistenführer Igor Girkin auf dem russischen Netzwerk VKontakte, man habe bei Tores in der Ostukraine “gerade ein Flugzeug abgeschossen”, eine AN-26. Als klar wurde, dass es sich um den Passagierflug MH17 handelte, war der Eintrag verschwunden, doch die Wayback Machine hatte ihn um 15:22 Uhr Greenwich-Zeit gesichert. Laut einem Beitrag im Blog der Library of Congress, der Nationalbibliothek der USA, stand der Eintrag nur rund drei Stunden online, und gesichert hatte ihn eine unbekannte Person über Save Page Now. Die Presse zitierte die Kopie in den folgenden Tagen immer wieder.

Für dich heißt das: Ob eine Seite von dir im Archiv liegt, entscheidet nicht allein ein Crawler. Wer sich für sie interessiert, kann sie mit einem Klick einfrieren, ohne Spuren zu hinterlassen.

archive.today, das zweite Archiv

Neben dem Internet Archive gibt es einen zweiten großen Dienst, archive.today, auch unter archive.ph und archive.is bekannt. Er funktioniert ähnlich wie Save Page Now, und laut eigener FAQ wird jede Kopie “virtually forever” aufbewahrt, also praktisch für immer. Für Betroffene sind seine Regeln deutlich ungünstiger als beim Internet Archive, dazu weiter unten mehr.

Das Internet vergisst nie, auch nicht das, was du gelöscht hast

Der Satz “Das Internet vergisst nie” ist oft übertrieben, viele Seiten verschwinden tatsächlich spurlos. Bei Seiten, die das Archiv erfasst hat, stimmt er aber ziemlich genau. Was du auf deiner Website gelöscht hast, fehlt dort nur in der aktuellen Fassung. Die älteren Kopien bleiben, mit Datum.

Das kann eine ganze Menge sein. Typische Fundstücke in alten Fassungen sind Impressen kleiner Firmen und Freiberufler, die früher die Privatadresse nannten, bevor ein Geschäftsraum dazukam. Vereinsseiten mit Vorstandslisten, Telefonnummern und manchmal ganzen Mitgliederlisten im Download-Bereich. Teamseiten mit Fotos und Namen von Menschen, die längst woanders arbeiten. Stellenanzeigen, die verraten, welche Software eine Firma einsetzt. Und PDFs: Preislisten, Protokolle, Formulare, die das Archiv mitsamt ihren Dateieigenschaften aufbewahrt hat.

Das Archiv zeigt nur, was du selbst einmal veröffentlicht hast. Zum Problem wird es erst, wenn jemand anderes es systematisch liest.

Eine halb geöffnete Holzschublade eines alten Archivschranks im Dunkeln, darin ein Stapel unbeschriebener, vergilbter Blätter in warmem Licht
Alte Fassungen liegen nicht im Keller. Ein Klick genügt.

Wie Angreifer alte Seiten lesen

Für Sicherheitsfachleute sind Web-Archive ein Standardwerkzeug. Die gemeinnützige Stiftung OWASP gibt einen verbreiteten Testleitfaden heraus, nach dem Firmen ihre Anwendungen prüfen lassen, und nennt die Wayback Machine in der aktuellen Arbeitsfassung, Kapitel WSTG-INFO-01, ausdrücklich als Quelle. Tester sammeln demnach häufig automatisiert alte Adressen aus Archiven, und die würden “frequently reveal forgotten endpoints, old API paths, backup files, and parameters that are no longer linked from the live application”. Gemeint sind vergessene Schnittstellen, alte Programmpfade und Sicherungsdateien, die auf der heutigen Seite nirgends mehr verlinkt sind.

Derselbe Leitfaden zählt auf, wonach man bei dieser Art Recherche sucht. Darunter stehen archivierte Beiträge und E-Mails von Administratoren, Anmeldeverfahren und das Format von Benutzernamen, im schlimmsten Fall Passwörter und private Schlüssel. Was ein Prüfer im Auftrag findet, findet ein Angreifer ohne Auftrag genauso.

Im Alltag sieht das unspektakulär aus. Eine alte Teamseite zeigt, dass die Mailadressen einer Firma nach dem Muster vorname.nachname gebaut sind, und mit einem Namen von der heutigen Website lässt sich so eine glaubwürdige Phishing-Mail adressieren. Eine ehemalige Mitarbeiterin, die noch auf einer Seite von 2019 steht, liefert einen Namen, den man am Telefon fallen lassen kann. Und die Nummer aus einem alten Impressum klingelt oft noch Jahre später bei derselben Person. Wie aus solchen Einzelteilen ein ganzes Profil wird, zeigt unser Text über OSINT.

robots.txt ist kein Versteck

Viele Websites haben eine Datei namens robots.txt, die Suchmaschinen sagt, welche Bereiche sie auslassen sollen, etwa /intern oder /backup. Die Datei ist aber für jeden lesbar und wird selbst archiviert. Das Internet Archive bemerkte dazu schon 2017 in einer Klammer, dass böswillige Akteure robots.txt über die Jahre genutzt hätten, um genau diese sensiblen Bereiche zu finden. Der OWASP-Leitfaden formuliert es nüchterner: robots.txt solle nicht als Mechanismus betrachtet werden, um zu steuern, wie Dritte Inhalte abrufen, speichern oder weiterverbreiten.

Eine alte robots.txt im Archiv ist damit eine Liste der Ordner, die jemand einmal verstecken wollte. Manche davon gibt es heute noch.

Alte Webseite finden: der Selbstcheck

Was ein Angreifer sehen kann, siehst du auch, und zwar in einer halben Stunde. Bei der eigenen Domain, dem eigenen Verein oder dem alten Blog ist das völlig unproblematisch. Es sind deine Seiten.

Fang mit der Domain an. Gib sie auf web.archive.org ein und schau, wann die ältesten Kopien entstanden sind. Dann springst du in die Jahre vor einem Umzug, einem Relaunch oder einem Wechsel im Vorstand, denn die Fassungen kurz vor einer Umstellung sind oft die ausführlichsten.

Danach kommen die Unterseiten, die erfahrungsgemäß Persönliches enthalten: Impressum, Kontakt, Team, Vorstand, Downloads, Presse und Karriere. Gib dafür die vollständige Adresse ein, also etwa beispiel.de/impressum, nicht nur die Startseite.

Bei PDFs lohnt sich ein zweiter Blick. Öffne die archivierte Datei und sieh dir neben dem Inhalt die Dokumenteigenschaften an. Autor, Firma und das verwendete Programm stehen dort oft im Klartext. Was in solchen Feldern steckt, haben wir im Text über Metadaten in Dateien ausführlich beschrieben.

Dasselbe funktioniert mit alten Profilseiten und mit Seiten, die andere über dich angelegt haben, etwa einem Porträt in der Lokalzeitung oder einem Eintrag beim früheren Arbeitgeber. Wer ohnehin dabei ist, prüft am besten gleich die heutige Suche mit, wie in unserem Text über Google Dorks beschrieben.

Was im Archiv liegen kannWo es meist stecktWozu es Angreifern dientWas du tun kannst
Privatadresse, private Telefonnummeralte Impressen, KontaktseitenAnrufe, Post, Druck auf die PersonAusschluss beim Archiv beantragen
Namen früherer MitarbeiterTeamseiten, Pressemitteilungenglaubwürdige Vorwände am TelefonTeam vorwarnen, Anfragen über offizielle Wege bestätigen
Aufbau der MailadressenKontaktseiten, StellenanzeigenPhishing an erratene AdressenMitarbeiter schulen, Absender prüfen
Mitgliederlisten, ProtokolleDownload-Bereiche von VereinenAdresssammlung, Kontext für BetrugAusschluss beantragen, Mitglieder informieren
alte PDFs mit DateieigenschaftenDownload-Ordner, PresseNamen, Software, interne PfadeAusschluss beantragen, künftige Dateien bereinigen
alte robots.txt mit gesperrten PfadenWurzel der DomainHinweis auf interne Ordnerprüfen, ob die Ordner noch erreichbar sind, und schließen

Manches erledigst du auf dem eigenen Server. Ein alter Ordner, der heute noch erreichbar ist, gehört geschlossen, egal was im Archiv steht.

Seiten aus der Wayback Machine entfernen lassen

Für das Internet Archive gibt es einen offiziellen Weg, und er ist erstaunlich unbürokratisch. Laut der Hilfeseite “Using the Wayback Machine” schreibst du eine E-Mail an [email protected]. Hinein gehören die Adressen, um die es geht, der Zeitraum, der aus dem Archiv verschwinden soll, der Zeitraum, in dem du die Seite oder das Konto kontrolliert hast, und alles Weitere, was deinen Antrag stützt.

Was dann passiert, beschreibt das Archiv offen: “This will initiate a review by our team. We do not make any guarantees beforehand about the outcome of a request.” Eine Zusage gibt es also vorab nicht. Weil das Archiv nach dem Zeitraum deiner Kontrolle fragt, hilft alles, was zeigt, dass die Seite dir gehörte, etwa eine Mail von einer Adresse unter derselben Domain. Und eine Liste mit genauen Adressen ist hilfreicher als der Satz “bitte alles löschen”.

Schwieriger wird es bei Inhalten, die jemand anderes veröffentlicht hat, etwa einem Artikel über dich. Dann bist du nicht Inhaber der Seite und kannst nur erklären, warum die Kopie dich verletzt. Hier setzt das BGH-Urteil an. Es nimmt den in die Pflicht, der die falsche Behauptung in die Welt gesetzt hat: Der Verlag muss das Archiv informieren und zur Löschung auffordern, nachdem die Betroffene die Adressen der Kopien benannt hat. Einen Erfolg schuldet er laut Fachbeiträgen zum Urteil nicht.

Die Rechtsprechung ist dabei nicht einheitlich hart. Das Oberlandesgericht Nürnberg hat im Februar 2024 laut einer Zusammenfassung der Kanzlei Dr. Bahr entschieden, dass Kartenausschnitte, die nach einer Unterlassungserklärung noch in der Wayback Machine standen, keine Vertragsstrafe auslösen, weil der Betreiber das Archiv nicht kontrolliert. Das ist ein anderer Rechtsbereich, zeigt aber, dass Gerichte genau hinsehen, wer welche Kopie in der Hand hat.

Und die DSGVO? Das Recht auf Löschung aus Artikel 17 ist der naheliegende Gedanke. Das Internet Archive sitzt allerdings in den USA, und eine belastbare Entscheidung, die einen DSGVO-Löschanspruch direkt gegen das Archiv durchgesetzt hätte, haben wir nicht gefunden. Du kannst dich in deiner Mail darauf berufen, ein verlässlicher Hebel ist es nicht. Wie der Anspruch bei Unternehmen in Europa funktioniert, steht in unserem Text über Daten, die wirklich gelöscht werden sollen.

Warum robots.txt nicht der Löschknopf ist

Lange galt ein einfacher Trick: Wer in seine robots.txt eine Sperre für den Crawler des Archivs schrieb, ließ damit auch die alten Kopien aus der Anzeige verschwinden. Am 17. April 2017 kündigte Mark Graham, der Leiter der Wayback Machine, eine Abkehr an. Die Datei sei für Suchmaschinen gemacht und passe nicht zu einem Archiv. Ein Ärgernis war zum Beispiel, dass eine geparkte Domain mit einer neuen robots.txt die gesamte Geschichte der früheren Seite unsichtbar machte. Für Regierungs- und Militärseiten der USA ignorierte das Archiv robots.txt da schon, und man wolle das nun breiter tun.

Wie weit das umgesetzt wurde, sagt das Archiv nicht genau. Die heutige Hilfeseite erwähnt robots.txt nur noch als möglichen Grund, warum eine Seite nicht erfasst wurde. Als aktiven Weg, etwas aus dem Archiv zu nehmen, nennt sie allein die Mail an [email protected]. Wer sich auf robots.txt verlässt, setzt also auf eine Regel, die das Archiv selbst nicht mehr zusagt. Dazu kommt Save Page Now: Eine Sicherung, die ein Mensch anstößt, läuft an einer Crawler-Sperre ohnehin leicht vorbei.

archive.today: ehrlich gesagt kaum etwas

Bei archive.today ist die Lage einfach und unerfreulich. Die FAQ sagt, Seiten könnten gelöscht werden, wenn sie gegen die Regeln des Hosters verstoßen, genannt sind Cracks und Pornografie, oder wenn sie völlig leer sind. Auf die Frage nach veralteten oder falschen Informationen antwortet der Dienst, er sei keine Nachrichtenagentur, er bestätige nur, dass es zu einem bestimmten Zeitpunkt eine bestimmte Seite gab. Das sei “not the reason to burn the books”. An robots.txt hält sich archive.today nach eigener Aussage nicht, weil jede Kopie von einem Menschen ausgelöst werde.

Dazu kommt, dass niemand genau weiß, wer den Dienst betreibt. Nach einem Bericht des Technikmagazins Ars Technica vom November 2025 schickte das FBI am 30. Oktober 2025 eine Anordnung an den Domain-Registrar, um die Daten des Kunden hinter archive.today zu erfahren. Der Dienst machte das Schreiben selbst öffentlich. Im Februar 2026 berichtete dasselbe Magazin, dass die englischsprachige Wikipedia archive.today auf ihre Sperrliste gesetzt hat. Die Wikipedia-Redaktion begründete das unter anderem damit, dass die Betreiber den Inhalt archivierter Seiten verändert hätten.

Eine Löschung bei archive.today lässt sich also praktisch nicht durchsetzen, und eine Kopie dort beweist weniger, als ihr Ruf vermuten lässt. Wer dort eine falsche Darstellung über sich findet, setzt besser bei der Quelle und bei dem an, der die Kopie verbreitet.

Wenn das Archiv selbst getroffen wird

Wer beim Internet Archive ein Konto hat, etwa um Seiten zu sichern oder Bücher auszuleihen, hat dem Archiv selbst Daten gegeben. Im Herbst 2024 zeigte sich, was das bedeutet.

Am 9. Oktober 2024 sahen Besucher von archive.org plötzlich ein Fenster, das nicht vom Archiv stammte. Ein Angreifer spottete darin, das Internet Archive laufe auf Stelzen und stehe ständig kurz vor einer Katastrophe, und kündigte an, 31 Millionen Nutzer würden nun bei Have I Been Pwned auftauchen, einem Dienst zum Prüfen auf Datenlecks. Dessen Betreiber Troy Hunt hatte die Datei laut dem Fachportal BleepingComputer schon neun Tage vorher erhalten: 6,4 Gigabyte mit Mailadressen, Benutzernamen und Passwörtern, die als sogenannte Hashes gespeichert waren, also nicht im Klartext. Laut dem Eintrag bei Have I Been Pwned sind 31.081.179 Konten betroffen, der jüngste Datensatz stammt vom 28. September 2024.

Parallel legten Überlastungsangriffe die Seite lahm, beansprucht von einer Gruppe, die nach Einschätzung von BleepingComputer vermutlich nichts mit dem Datendiebstahl zu tun hatte. Brewster Kahle bestätigte auf X die Angriffe und den Einbruch. Am 20. Oktober kam ein zweiter Vorfall dazu, diesmal über das Supportsystem des Archivs.

Hattest du je ein Konto dort, lohnt eine kurze Prüfung. Wie du deine Adresse sicher abgleichst und was bei einem Treffer zu tun ist, steht in unserem Text zum Datenleck prüfen. Das Passwort von damals sollte nirgends mehr im Einsatz sein.

Ein langer, leerer Holztisch in einem hohen dunklen Raum, über den ein schräger Lichtstrahl voller schwebender Staubteilchen fällt
Ein Archiv ist geduldig. Es wartet, bis jemand fragt.

Was bleibt

Die Wayback Machine ist eines der wertvollsten Projekte, die das Netz hervorgebracht hat. Sie hat Belege gerettet, die sonst verschwunden wären, und laut dem Internet Archive verweisen jeden Monat mehr als hundert Nachrichtenartikel auf Material von dort.

Dieselbe Eigenschaft hat eine Kehrseite für alle, die einmal etwas veröffentlicht haben. Eine gelöschte Seite ist erst einmal nur auf deinem Server weg. Damit lässt sich leben, wenn man es weiß. Ein Abend reicht, um die eigene Domain im Archiv durchzusehen, mit dem alten Impressum, der Vereinsseite und der Teamseite. Was dort nicht mehr stehen soll, meldest du mit konkreten Adressen an [email protected]. Bei allem, was neu online geht, hilft der Gedanke, dass es vielleicht länger bleibt als die Website selbst.

Häufige Fragen

Was ist die Wayback Machine?
Die Wayback Machine ist das öffentliche Web-Archiv des Internet Archive, einer gemeinnützigen Organisation aus San Francisco, die Brewster Kahle im April 1996 gegründet hat. Seit Oktober 1996 sammeln Programme dort Kopien von Webseiten, seit 2001 kann jeder sie über eine Suchmaske abrufen. Im Oktober 2025 feierte das Archiv eine Billion gespeicherte Webseiten. Du gibst eine Adresse ein und siehst in einem Kalender, an welchen Tagen eine Kopie entstanden ist.
Kann ich meine alte Webseite in der Wayback Machine finden?
Sehr wahrscheinlich, wenn sie öffentlich erreichbar war und einige Zeit online stand. Du gibst die Domain in die Suchmaske auf web.archive.org ein und klickst dich durch die Kalenderansicht. Lücken sind normal. Seiten hinter einem Passwort, Seiten, die das Crawling per robots.txt blockiert haben, und Seiten, deren Inhaber einen Ausschluss beantragt hat, fehlen oft.
Wie lasse ich meine Webseite aus der Wayback Machine entfernen?
Der offizielle Weg ist eine E-Mail an [email protected]. Laut der Hilfeseite des Internet Archive gehören die betroffenen Adressen hinein, der Zeitraum, der ausgeschlossen werden soll, der Zeitraum, in dem du die Seite oder das Konto kontrolliert hast, und weitere Angaben, die den Antrag stützen. Das Archiv prüft den Antrag, sagt aber ausdrücklich, dass es vorab keine Garantie für das Ergebnis gibt.
Reicht eine robots.txt, damit meine Seite nicht archiviert wird?
Nein, darauf solltest du dich nicht verlassen. Das Internet Archive hat 2017 angekündigt, sich weniger nach robots.txt zu richten, weil die Datei für Suchmaschinen gedacht ist. Heute nennt die Hilfe robots.txt nur noch als möglichen Grund, warum eine Seite nicht erfasst wurde. Dazu kommt, dass jeder eine öffentliche Seite über die Funktion Save Page Now von Hand sichern kann. Der OWASP-Testleitfaden hält fest, dass robots.txt kein Mittel ist, um die Speicherung durch Dritte zu verhindern.
Löscht archive.today Seiten auf Anfrage?
In aller Regel nicht. Die FAQ von archive.today sagt, dass Seiten nur bei Verstößen gegen die Regeln des Hosters oder wenn sie völlig leer sind gelöscht werden können. Veraltete oder falsche Informationen seien kein Grund, Bücher zu verbrennen. Der Betreiber ist anonym, ein förmlicher Löschweg ist nicht veröffentlicht. Realistisch bleibt dir, die Quelle zu korrigieren und gegebenenfalls rechtlich gegen den vorzugehen, der die Kopie veranlasst hat.
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