Satellitenbilder kostenlos nutzen und selbst nachprüfen
Satellitenbilder gibt es gratis bei NASA, USGS und Copernicus. Wie du damit prüfst, ob ein Bild aktuell ist, alt gegen neu vergleichst und Brände gegencheckst.
Die meisten Leute suchen Satellitenbilder, weil sie wissen wollen, wo das Gewitter hinzieht. Das ist ein guter Grund, und dafür gibt es hervorragende kostenlose Seiten. Nur bleibt dabei liegen, wozu dieselben Daten sonst noch taugen: Man kann mit ihnen nachprüfen, ob etwas tatsächlich passiert ist.
Brennt dort wirklich ein Wald? Steht das Gebäude noch? War dieses dramatische Foto, das gerade durch alle Kanäle läuft, überhaupt von diesem Monat? Die Aufnahmen, mit denen sich solche Fragen beantworten lassen, kosten nichts. Sie liegen bei NASA, bei der US-Erdbeobachtungsbehörde USGS und im europäischen Copernicus-Programm, und jeder mit einem Browser kommt heran.
Dieser Text zeigt beides. Zuerst die freien Quellen mit ihren echten Stärken, danach vier konkrete Handgriffe, mit denen du eine Behauptung selbst gegenprüfst. Am Ende stehen die Grenzen, und die sind wichtiger als die Werbetexte der Anbieter vermuten lassen.
Die freien Quellen im Überblick
Fünf Anlaufstellen decken praktisch alles ab, was ohne Budget möglich ist. Sie unterscheiden sich in Auflösung, Aktualität und darin, wie weit sie in die Vergangenheit reichen.
| Quelle | Was sie liefert | Auflösung | Zeitspanne | Lizenz |
|---|---|---|---|---|
| NASA Worldview | tägliche Weltabdeckung, über 1.000 Auswertungsebenen, Zeitregler | 250 m bis 1 km | seit 2000, täglich | gemeinfrei (Quelle nennen) |
| Copernicus Browser | Sentinel-1 (Radar) und Sentinel-2 (optisch), Zeitreihen | 10 bis 20 m | seit 2015, alle 2 bis 5 Tage | frei mit Attribution |
| USGS EarthExplorer | Landsat-Archiv, Luftbilder, Höhenmodelle | 15 bis 30 m | seit 1972 | gemeinfrei |
| NASA FIRMS | Feuer- und Hitze-Hotspots, georeferenziert | 375 m | seit 2000, Update in Stunden | gemeinfrei |
| Zoom Earth | aufbereitete Wetterlage, Stürme, Zugbahnen | grob, dafür sehr aktuell | laufend, Viertelstundentakt | Anzeige frei, Daten von EUMETSAT/NOAA |
Dazu kommt die Zeitachse in Google Earth, die historische Luftbilder als Schieberegler durch die Jahrzehnte anbietet. Bequem zum Anschauen, aber die Bilder gehören Google und seinen Zulieferern. Verlinken ja, weiterverbreiten besser nicht.
Ein Wort zu Worldview, weil es die unterschätzteste Seite der Liste ist. Der Dienst zeigt nicht nur Wolken, sondern über tausend Auswertungsebenen: Feuer, Rauch, Aerosole, Schneedecke, Meereis, Chlorophyll im Wasser, Vegetationsindex. Der Zeitregler unten läuft bis ins Jahr 2000 zurück, und für jeden Tag seither existiert eine weltweite Aufnahme. Das ist ein Archiv von über zwei Jahrzehnten Erdoberfläche, frei zugänglich, ohne Anmeldung.
Satellitenbilder für das Wetter: der schnelle Weg
Wer die aktuelle Wetterlage sehen will, ist bei Zoom Earth am schnellsten fertig. Die Seite bündelt die Bilder der geostationären Wettersatelliten und legt Regen, Wind und Sturmbahnen darüber. Geostationär heißt: Der Satellit steht rund 36.000 Kilometer über dem Äquator und dreht sich mit der Erde mit, er sieht dieselbe Hälfte des Planeten dauerhaft. Europa versorgt Meteosat von EUMETSAT, Amerika die GOES-Reihe, Asien Himawari.
Diese Satelliten liefern alle zehn bis fünfzehn Minuten ein neues Vollbild. Das ist die ehrlichste Annäherung an “live”, die es gratis gibt. Der Preis dafür ist die Auflösung: aus 36.000 Kilometern Entfernung wird ein Bildpunkt ein bis zwei Kilometer groß. Für eine Gewitterfront reicht das völlig, für die Frage, ob auf einem Feld ein Bagger steht, nicht annähernd.
Für Europa lohnt sich der Blick auf die Animationsfunktion. Die letzten Stunden im Zeitraffer zeigen die Zugrichtung einer Front oft deutlicher als jede Vorhersagekarte, weil man die Bewegung selbst sieht statt einer Interpretation.
Der eigentliche Punkt: nachprüfen statt glauben
Jetzt der Teil, den die Wetterseiten nicht abdecken. Satellitenbilder sind ein Beweismittel, das jedem offensteht. Recherchekollektive wie Bellingcat arbeiten seit Jahren damit, und die Werkzeuge dafür sind dieselben, die du gerade in der Tabelle gelesen hast. Der Unterschied liegt in der Erfahrung, nicht im Zugang.
Vier Handgriffe decken die meisten Alltagsfälle ab.
1. Ist das Bild von heute oder von vorgestern
Jede Satellitenaufnahme trägt ein Aufnahmedatum, und in den freien Portalen steht es direkt an der Szene. In Worldview zeigt der Zeitregler, welcher Tag gerade dargestellt wird, im Copernicus Browser steht das Datum jeder Szene in der Liste links. Damit lässt sich die häufigste Irreführung in sozialen Netzen entschärfen: ein altes Bild, neu beschriftet.
Läuft ein angeblich aktuelles Krisenfoto durch deine Zeitleiste, dauert der erste Check dreißig Sekunden. Schick es durch eine Bilder-Rückwärtssuche und sieh nach, ob es schon älter im Netz liegt. Erst wenn dabei nichts herauskommt, wird der Satellitenweg interessant, denn dann geht es darum, ob die gezeigte Szene überhaupt zu dem Ort und dem Zeitpunkt passt.
Ein zweiter Zugang steckt in der Datei selbst. Fotos aus Kameras und Telefonen tragen oft Aufnahmezeit und Koordinaten in den Metadaten, solange sie nicht beim Hochladen entfernt wurden. Bei Bildern aus sozialen Netzen ist das meistens der Fall, bei direkt verschickten Originaldateien oft nicht.
Den Blick vom Boden liefern öffentliche Webcams mit Archiv: Sie zeigen, ob an einem Ort zur behaupteten Stunde Schnee lag, die Sonne schien oder der Platz voller Menschen war.
2. Alt gegen neu vergleichen
Das ist der stärkste Handgriff und zugleich der einfachste. Du suchst denselben Ort zu zwei Zeitpunkten und legst die Bilder nebeneinander. Was dazwischen passiert ist, springt ins Auge: ein neues Gewerbegebiet, eine gerodete Fläche, ein Stausee, der voller oder leerer ist, ein Gletscher, der sich zurückgezogen hat.
Praktisch geht das auf zwei Wegen. Im Copernicus Browser wählst du den Ort, stellst links einen Zeitraum ein und bekommst alle Sentinel-2-Szenen aufgelistet, sortiert nach Datum und mit Angabe der Wolkenbedeckung. Zwei Szenen im Vergleichsmodus nebeneinander, fertig. Der Nachteil: Sentinel-2 fliegt erst seit 2015.
Für längere Zeiträume führt der Weg zu EarthExplorer. Das Landsat-Archiv beginnt 1972, und für viele Regionen der Erde liegen damit fünfzig Jahre Bildgeschichte bereit. Die Bedienung ist sperriger als bei Copernicus, dafür ist die Zeitspanne konkurrenzlos. Wer nur schnell schauen will, ohne sich anzumelden, nimmt die Zeitachse in Google Earth, akzeptiert dafür aber lückenhafte Datierung und kommerzielle Bildrechte.
Ein Hinweis, der in der Praxis viel Ärger spart: Vergleiche möglichst dieselbe Jahreszeit. Ein Julibild gegen ein Januarbild zeigt vor allem Laub und Sonnenstand, nicht die Veränderung, die dich interessiert.
3. Passen Wetter, Jahreszeit und Schatten
Behauptungen scheitern oft an Kleinigkeiten. Ein Foto zeigt trockenen Boden und strahlende Sonne, während die Satellitenaufnahme desselben Tages eine geschlossene Wolkendecke über der Region zeigt. Ein Video zeigt kahle Bäume, obwohl der angebliche Aufnahmetag im Hochsommer lag.
Zum Gegencheck reichen frei zugängliche Werkzeuge. Die Wolkenlage eines bestimmten Tages holst du dir aus Worldview, indem du das Datum im Zeitregler einstellst. Den historischen Wetterrückblick liefert timeanddate.com für viele Stationen weltweit. Und wenn auf dem Bild Schatten zu sehen sind, sagt suncalc.org dir, wie lang und in welche Richtung der Schatten an diesem Ort, an diesem Datum und zu dieser Uhrzeit fallen müsste. Ein Schatten, der nach Norden zeigt, wo er nach Osten gehört, ist ein handfestes Indiz.
4. Brennt es dort wirklich
Für Feuer gibt es eine Abkürzung, und sie heißt NASA FIRMS. Der Dienst wertet die Wärmesensoren von MODIS und VIIRS aus und setzt jeden erkannten Hitzeherd als georeferenzierten Punkt auf eine Karte, mit Zeitstempel und Vertrauenswert. Die Aktualisierung liegt je nach Gebiet bei wenigen Stunden.
Damit ist die Meldung “riesiges Feuer in Region X” in Minuten überprüfbar. Karte öffnen, auf die Region zoomen, Zeitraum auf die letzten 24 Stunden stellen. Sind dort Hotspots? Wie viele, wie verteilt? Ein einzelner Punkt kann eine abgefackelte Gasflamme in einer Industrieanlage sein, ein flächiges Band aus Dutzenden Punkten ist ein Waldbrand.
Einmal konkret: zwei Orte, zwei Zeitpunkte
Damit das nicht abstrakt bleibt, hier der Ablauf, den du in einer Viertelstunde nachvollziehen kannst.
In NASA Worldview: Seite öffnen, oben rechts über die Suche einen Ort eingeben, zum Beispiel deine Region. Unten liegt der Zeitregler, standardmäßig auf heute. Zieh ihn ein paar Tage zurück und beobachte, wie die Wolkendecke wandert. Links lassen sich Ebenen hinzufügen: “Corrected Reflectance” ist das natürliche Farbbild, darunter finden sich Feuer, Aerosole und Schneedecke. Über das Kamerasymbol rechts exportierst du den aktuellen Ausschnitt als Bild samt Datum.
Im Copernicus Browser: Anmelden, kostenlos. Ort suchen, links auf den Reiter für die Suche wechseln, Sentinel-2 auswählen, einen Zeitraum setzen und die maximale Wolkenbedeckung auf zwanzig Prozent begrenzen. Du bekommst eine Liste von Szenen mit Datum. Öffne eine davon, dann eine zweite aus einem anderen Jahr, und nutze den Vergleichsmodus. Für Vegetation lohnt die Ebene NDVI, für Wasser und Überflutung die Falschfarben-Kombination, beide stehen als fertige Voreinstellung bereit.
In NASA FIRMS: Karte öffnen, Region ansteuern, Zeitfenster auf 24 Stunden oder sieben Tage stellen. Die Punkte lassen sich anklicken und zeigen dann Satellit, Uhrzeit und Vertrauenswert.
Mehr braucht es für den Einstieg nicht. Wer tiefer einsteigt, landet irgendwann bei Radardaten aus Sentinel-1, die durch Wolken hindurchsehen, dafür aber eine völlig andere Bildsprache haben und Einarbeitung verlangen.
Die Grenzen, ehrlich benannt
Hier trennt sich das Werkzeug vom Wunschdenken. Drei Einschränkungen begegnen jedem, der anfängt.
Auflösung. Frei verfügbar sind zehn Meter bei Sentinel-2, dreißig bei Landsat, 250 bei den täglichen MODIS-Aufnahmen. Ein Bildpunkt von zehn Metern Kantenlänge deckt eine Fläche von der Größe eines kleinen Grundstücks ab. Gebäude werden als Flecken sichtbar, Straßen als Linien, große Fahrzeuge bestenfalls als Andeutung. Kommerzielle Anbieter kommen auf dreißig Zentimeter und zeigen damit einzelne Autos, aber das kostet Geld und auch dort sind Gesichter oder Kennzeichen nicht erkennbar. Die Hollywood-Szene mit dem Heranzoomen auf eine Person gibt es nicht.
Zeitverzug. Erdbeobachtungssatelliten auf niedrigen Bahnen umkreisen die Erde in etwa hundert Minuten und sehen dabei jedes Mal einen anderen Streifen. Bis derselbe Ort wieder unter der Bahn liegt, vergehen Tage. Sentinel-2 schafft mit zwei Satelliten alle zwei bis fünf Tage eine Aufnahme, Landsat braucht sechzehn Tage. Dazu kommt die Verarbeitungszeit, bis eine Szene im Portal bereitsteht.
Wolken. Optische Sensoren sehen Wolken, nicht den Boden darunter. In Mitteleuropa liegt die durchschnittliche Bewölkung bei über sechzig Prozent, in tropischen Regionen und während der Regenzeit deutlich höher. Ein Ereignis, das unter geschlossener Decke stattfindet, taucht in optischen Aufnahmen nicht auf. Radarsatelliten wie Sentinel-1 durchdringen Wolken, liefern aber Graustufenbilder aus Rückstreuintensität, die ohne Einarbeitung schwer zu deuten sind.
Dazu eine vierte Einschränkung, die weniger technisch ist: Ein Satellitenbild zeigt einen Zustand, keine Ursache. Eine verschwundene Waldfläche kann Abholzung sein, ein Sturmschaden oder ein Brand. Was du siehst, ist die Veränderung. Die Erklärung dafür kommt aus anderen Quellen, und genau dort passieren die Fehler, wenn ein einzelnes Bild zu schnell zur Geschichte wird.
Was das mit deinen eigenen Daten zu tun hat
Die Perspektive lässt sich umdrehen. Wenn frei zugängliche Aufnahmen dir erlauben, eine Behauptung zu prüfen, erlauben sie das auch jedem anderen, und manchmal geht es dabei um dich.
Für die Satellitenansicht selbst ist die Sorge überschaubar. Bei zehn Metern Auflösung ist ein Wohnhaus ein heller Fleck, das Dach erkennbar, mehr nicht. Unangenehmer wird es bei Luftbildern aus dem Flugzeug und bei Straßenaufnahmen, weil diese schräg und aus geringer Höhe entstehen. Dort sind Fenster, Fahrzeuge und Gartenbereiche zu sehen, und dort gibt es bei den großen Anbietern auch Widerspruchsverfahren.
Der größere Hebel liegt ohnehin woanders. Ein Foto mit GPS-Koordinaten in den Metadaten verrät einen Aufnahmeort auf wenige Meter genau, während die beste freie Satellitenaufnahme dieses Orts bei zehn Metern haltmacht. Was ein einzelner Anbieter über deinen Alltag zusammenträgt, steht in Was Google über dich weiß. Die Datei auf deinem Telefon ist präziser als jeder Satellit.
Was bleibt
Der wichtigste Satz zum Schluss: Das Werkzeug befähigt dich, es denkt nicht für dich. Ein Satellitenbild ist ein Datenpunkt. Es wird erst dann belastbar, wenn du es mit anderen Quellen kreuzt, das Aufnahmedatum kennst und dir klar ist, was die Auflösung hergibt.
Praktisch heißt das: Bei der nächsten Meldung, die dir zu glatt vorkommt, öffne zwei Seiten. Die Rückwärtssuche sagt dir, ob das Bild alt ist. Worldview oder FIRMS sagen dir, ob am fraglichen Tag an diesem Ort überhaupt etwas zu sehen war. Das dauert ein paar Minuten und ersetzt keinen Faktencheck. Es sorgt aber dafür, dass du nicht darauf angewiesen bist, dass jemand anderes ihn für dich macht.
Und ein Nebeneffekt, der die Mühe alleine schon wert ist: Wer einmal gesehen hat, wie der eigene Wohnort vor dreißig Jahren aussah, schaut danach anders auf die Gegend.
Häufige Fragen
- Wo finde ich kostenlose Satellitenbilder?
- Die vier wichtigsten Anlaufstellen sind kostenlos und ohne Bezahlschranke nutzbar. NASA Worldview (worldview.earthdata.nasa.gov) zeigt tägliche Aufnahmen der MODIS- und VIIRS-Sensoren mit einem Zeitregler, der bis 2000 zurückreicht. Der Copernicus Browser (browser.dataspace.copernicus.eu) liefert Sentinel-Daten der EU mit rund zehn Metern Auflösung und sauberen Zeitreihen, dafür brauchst du ein kostenloses Konto. USGS EarthExplorer (earthexplorer.usgs.gov) hält das Landsat-Archiv seit 1972 bereit und ist die erste Wahl für alte Aufnahmen. Zoom Earth (zoom.earth) bereitet aktuelle Wetterlagen laienfreundlich auf. Dazu kommt NASA FIRMS für Feuer-Hotspots.
- Gibt es Satellitenbilder in Echtzeit?
- Nein, jedenfalls nicht in dem Sinn, den das Wort nahelegt. Was als "live" beworben wird, ist fast immer die zuletzt verfügbare Aufnahme, und die ist je nach Quelle zwischen zehn Minuten und mehreren Tagen alt. Geostationäre Wettersatelliten liefern am schnellsten, weil sie dieselbe Erdhälfte dauerhaft im Blick haben und alle paar Minuten ein neues Vollbild schicken. Erdbeobachtungssatelliten auf niedrigen Bahnen wie Sentinel-2 oder Landsat überfliegen einen bestimmten Ort dagegen nur alle paar Tage. Kommen Wolken dazu, wird aus dem Zeitverzug schnell eine Woche.
- Wie finde ich alte Satellitenbilder von einem Ort?
- Für richtig alte Aufnahmen führt der Weg zu USGS EarthExplorer. Dort liegt das komplette Landsat-Archiv, das 1972 beginnt und damit für viele Orte fünf Jahrzehnte abdeckt. Du setzt einen Punkt auf der Karte, wählst einen Zeitraum, filterst nach geringer Wolkenbedeckung und lädst die passende Szene. Für den schnellen visuellen Vergleich ohne Anmeldung ist die Zeitachse in Google Earth bequemer, weil sie die Jahre als Schieberegler anbietet. Der Copernicus Browser deckt mit Sentinel-2 den Zeitraum ab 2015 in deutlich besserer Auflösung ab.
- Kann ich auf Satellitenbildern Menschen oder Autos erkennen?
- Auf den frei verfügbaren Daten nicht. Sentinel-2 löst rund zehn Meter pro Bildpunkt auf, ein Auto belegt darin keinen einzigen Pixel vollständig. Landsat liegt bei dreißig Metern, die täglichen MODIS-Aufnahmen bei 250 Metern. Kommerzielle Anbieter erreichen dreißig Zentimeter und machen damit Fahrzeuge als Klötzchen sichtbar, Gesichter oder Kennzeichen bleiben aber auch dort unerkennbar, und diese Aufnahmen kosten Geld. Die Szene aus dem Actionfilm, in der jemand ein Gesicht aus dem Orbit heranzoomt, existiert nicht.
- Wie prüfe ich, ob ein Foto oder Video wirklich aktuell ist?
- Drei Schritte reichen für die meisten Fälle. Erstens die Bilder-Rückwärtssuche, denn wenn dasselbe Bild schon vor drei Jahren in einem Artikel stand, ist die Frage beantwortet. Zweitens der Abgleich der sichtbaren Umgebung mit einer Satellitenaufnahme desselben Orts: Stehen die Gebäude, die Straßenführung und die Vegetation so, wie sie stehen müssten? Drittens die Plausibilitätsprüfung von Wetter, Jahreszeit und Schattenwurf. Ein Bild mit blauem Himmel und belaubten Bäumen passt nicht zu einem Tag, an dem es dort geregnet hat und die Bäume kahl waren.
- Welche Satellitenbilder zeigen das Wetter?
- Für die Wetterlage sind geostationäre Satelliten zuständig, in Europa die Meteosat-Reihe von EUMETSAT, über Amerika die GOES-Serie. Ihre Bilder landen aufbereitet bei Zoom Earth, das Wolken, Stürme und Zugbahnen ohne Fachwissen lesbar macht und im Viertelstundentakt nachlädt. NASA Worldview zeigt dieselbe Wolkendecke im Tagesrhythmus, dafür mit zusätzlichen Auswertungsebenen wie Aerosolen, Schneedecke oder Feuer-Hotspots. Für die reine Frage, wo das Gewitter gerade hinzieht, ist Zoom Earth der schnellere Weg.
- Sind Satellitenbilder von meinem Haus ein Datenschutzproblem?
- Aus dem Orbit eher nicht. Bei zehn Metern Auflösung ist ein Einfamilienhaus ein heller Fleck von wenigen Bildpunkten, erkennbar ist die Form des Dachs, mehr nicht. Problematischer sind Luftbilder aus dem Flugzeug und Straßenaufnahmen, weil sie schräg und aus geringer Höhe entstehen und dadurch Fenster, Fahrzeuge und Gartenbereiche zeigen. Gegen Straßenansichten gibt es bei den großen Anbietern ein Widerspruchsverfahren, gegen die Satellitenansicht in Kartendiensten praktisch nicht.