Was ist ein Beacon? Wie Läden dein Handy erkennen können
Was ist ein Beacon, und erkennt er dein Handy im Laden? Wie iBeacon und Apps zusammenspielen, wer wirklich mithört und welche Einstellungen helfen.
Du stehst im Supermarkt vor dem Kaffeeregal, das Handy steckt in der Jackentasche. Irgendwo am Regalrand klebt vielleicht ein unscheinbares Kästchen, kaum größer als eine Streichholzschachtel. Weiß der Laden jetzt, dass du hier stehst?
Die ehrliche Antwort lautet: Das kommt darauf an, welche Apps auf deinem Handy liegen und was du ihnen erlaubt hast. Um das zu verstehen, lohnt die Frage: Was ist ein Beacon eigentlich? Die kleinen Sender gelten als Spione, die dich erfassen, sobald du den Laden betrittst. Technisch sieht es anders aus.
In diesem Artikel geht es um Bluetooth-Beacons und um die Apps, die ihnen zuhören, also Händler-Apps mit Standortzugriff und Werbebausteine in fremden Apps. Wir halten uns dabei an die Dokumentation von Apple und Google, an Datenschutzhinweise und an Verfahren von Behörden. Eigene Messungen im Laden gibt es diesmal nicht.
Was ist ein Beacon?
Ein Beacon ist ein kleiner Funksender, meist batteriebetrieben, der über Bluetooth Low Energy funkt, die stromsparende Variante von Bluetooth. Er tut im Grunde nur eine Sache. In kurzen Abständen schickt er eine Kennung in den Raum, immer dieselbe, wie ein Leuchtturm, der sein Blinkmuster wiederholt.
Apple beschreibt sein Format iBeacon in der Entwicklerdokumentation so: ein Gerät, das ein Bluetooth-Signal aussendet, das andere Geräte erkennen können. Die Kennung besteht aus drei Teilen. Eine UUID, eine lange Zeichenfolge, steht typischerweise für das ganze Unternehmen. Dazu kommen zwei Zahlen, „major“ und „minor“, mit denen sich etwa eine Filiale und eine Abteilung unterscheiden lassen. Apple nennt als Beispiel ein Kaufhaus, das jede Abteilung mit einem Beacon kennzeichnet, während die passende App Sonderangebote anzeigt, sobald du in die Nähe kommst.
Google hat ein eigenes offenes Format veröffentlicht, Eddystone. Laut der Spezifikation auf GitHub sendet die Variante Eddystone-UID eine 16 Byte lange ID, aufgeteilt in einen Namensraum und eine Instanz. Eine andere Variante, Eddystone-URL, verschickt statt einer Kennung eine Webadresse.
Wichtig für den Datenschutz ist, was ein Beacon nicht tut. Er sendet, er hört aber nicht zu. In diesem Format bekommt er von deinem Handy nichts zurück, keine Telefonnummer, keinen Namen, keine Kennung. Die Erkennung passiert ausschließlich auf deinem Gerät.
| iBeacon (Apple) | Eddystone (Google) | |
|---|---|---|
| Was gesendet wird | UUID plus zwei Zahlen („major“, „minor“) | je nach Variante eine 16-Byte-ID, eine Webadresse oder Zustandsdaten |
| Wer es auswertet | eine App, die nach genau dieser UUID sucht | eine App, die das Format kennt |
| Empfängt der Beacon etwas von dir? | nein, er sendet nur seine Kennung | nein, nur der Betreiber kann ihn per Konfigurationsdienst umstellen |
| Erkennbar ohne App? | nein | seit Ende 2018 nicht mehr über Android-Benachrichtigungen |
Warum ein Beacon ohne App nichts erkennt
Wenn der Beacon nur ruft, braucht es jemanden, der zuhört. Das ist eine App auf deinem Handy, die gezielt nach bestimmten Kennungen sucht. Apples Dokumentation beschreibt dafür zwei Stufen. Zuerst lauscht die App passiv, ob ein Beacon mit der gesuchten UUID in Reichweite ist. Erst wenn das so ist, misst sie die Signalstärke und schätzt, ob du weit weg, nah oder direkt davor bist. Einen genauen Abstand in Metern liefert das laut Apple nicht.
Damit das funktioniert, braucht die App auf dem iPhone die Erlaubnis für die Ortungsdienste. Beacons laufen bei Apple über dieselbe Schnittstelle wie die Standortbestimmung. Ein Detail ist dabei entscheidend: Nur mit der Stufe „Immer“ kann das System eine geschlossene App automatisch starten, wenn du einen überwachten Bereich betrittst. Mit „Beim Verwenden der App“ muss die App selbst geöffnet sein.
Bei Android ist es ähnlich, nur mit anderen Begriffen. Seit Android 12 braucht eine App, die nach Bluetooth-Geräten sucht, laut Googles Entwicklerdokumentation die Berechtigung, die im Dialog als „Geräte in der Nähe“ erscheint. Will sie aus dem Bluetooth-Scan einen Standort ableiten, muss sie zusätzlich den genauen Standort anfordern. Eine App kann umgekehrt erklären, dass sie Bluetooth nie zur Ortung nutzt. Dann filtert Android laut Google manche Beacons aus ihren Suchergebnissen heraus.
Ein Weg ohne eigene App existierte eine Weile. Google bot unter dem Namen Nearby Notifications Benachrichtigungen an, die Android-Handys in der Nähe von Beacons anzeigten. Im Oktober 2018 kündigte Google das Ende an und nannte als Grund eine starke Zunahme von irrelevanten Benachrichtigungen und Spam. Seit dem 6. Dezember 2018 stellt Google diese Beacon-Benachrichtigungen nicht mehr zu.
Unterm Strich heißt das: Ein Beacon kann dich nur über eine App finden, die du installiert und der du die passende Erlaubnis gegeben hast. Das ist die gute Nachricht dieses Artikels, und sie ist belastbar. Die weniger gute folgt in den nächsten Abschnitten, denn die App muss nicht vom Laden selbst stammen.
Das Praxisbeispiel: die Payback App
Wie das im Alltag aussieht, zeigen die Datenschutzhinweise zur Payback App im Stand vom Dezember 2025. Sie sind an dieser Stelle ungewöhnlich deutlich. Über die App könne Payback feststellen, ob du dich in der Nähe einer Partnerfiliale aufhältst, und das gelte auch innerhalb von Gebäuden, „wenn Sie dort an einem bestimmten Punkt stehen (etwa vor einem Regal mit bestimmten Produkten) oder an diesem Regal vorbeigehen“.
Dafür nutzt Payback nach eigenen Angaben Beacons, die das Unternehmen als installierte Bluetooth- oder WLAN-Sender beschreibt. Voraussetzung ist laut den Hinweisen, dass du mindestens eine der Techniken GPS, WLAN oder Bluetooth aktiviert und der App den Zugriff gewährt hast. Ob gerade eine Ortung stattfindet, erkennst du nach Paybacks Worten am Ortungssymbol deines Betriebssystems in der Statusleiste.
Payback verknüpft die Ortung mit der App und mit deiner Freigabe, nicht mit der Plastikkarte. Was Payback darüber hinaus mit Einkaufsdaten macht und welche Einwilligungen es dafür gibt, haben wir in unserem Artikel Lohnt sich Payback? ausführlich auseinandergenommen.
Wenn die App gar nicht vom Laden stammt
Bisher klingt alles übersichtlich: Ladenapp, Freigabe, Beacon. Die Standortdaten können aber auch über Apps fließen, die mit dem Laden nichts zu tun haben. Der Grund sind sogenannte SDKs, fertige Programmbausteine, die Entwickler in ihre Apps einbauen, etwa für Werbung oder Statistik. Wer einen solchen Baustein einbaut, gibt ihm oft dieselben Rechte, die die App selbst hat.
Wie das in der Praxis aussehen kann, zeigt ein Verfahren der US-Handelsbehörde FTC aus dem Jahr 2024. Es richtete sich gegen InMarket, ein Werbe- und Datenunternehmen aus Texas. Laut der Analyse der FTC im US-Bundesregister vom 23. Januar 2024 steckte der InMarket-Baustein in zwei eigenen Apps des Unternehmens, der Belohnungsapp CheckPoints und der Einkaufslisten-App ListEase, und außerdem in mehr als 300 Apps anderer Entwickler.
Die FTC warf InMarket vor, die Standortdaten mit Orten abzugleichen, Nutzer in Werbezielgruppen einzuteilen und diese Gruppen an Werbetreibende zu vermarkten. In der Pressemitteilung vom 18. Januar 2024 nennt die Behörde fast 2.000 solcher Zielgruppenlisten, etwa „parents of preschoolers“.
Besonders aufschlussreich ist der Erlaubnisdialog, den die FTC in einem Blogbeitrag vom März 2024 zitiert. CheckPoints fragte auf dem iPhone nach dem Standort mit der Begründung, man wolle dir Extrapunkte geben, wenn du Geschäfte betrittst. Dass die Daten auch für Werbeprofile genutzt werden, stand dort nach Darstellung der FTC nicht.
Im Mai 2024 machte die FTC die Einigung endgültig. InMarket darf seitdem keine genauen Standortdaten mehr verkaufen oder weitergeben.
Zur Einordnung zwei Punkte. Die FTC-Unterlagen sprechen von Standortdaten allgemein, nicht ausdrücklich von Beacons. Und es handelt sich um einen US-Fall. Er zeigt aber gut, warum die Frage „Welche App darf meinen Standort sehen?“ wichtiger ist als die Frage, ob im Laden ein Beacon hängt. Wie solche Daten im Handel mit Werbekennungen weiterwandern, beschreibt unser Artikel über die Werbe-ID.
Beacons sind nicht die einzige Technik im Laden
Damit kein falscher Eindruck entsteht: Beacons sind nur ein Baustein. WLAN-Sensoren können Handys auch ganz ohne App bemerken, weil Handys bei der Suche nach bekannten Netzen ständig kurze Funkrufe aussenden, mehr dazu in unserem Artikel über die MAC-Adresse. Daneben gibt es Kameras mit Analysefunktionen. Beide Themen bekommen hier bald je einen eigenen Artikel. Sie funktionieren ganz anders als ein Beacon und lassen sich nicht über dieselben Einstellungen steuern.
Was dich im Laden wann erkennen kann
Bei Beacons hängt alles an zwei Fragen: Gibt es eine App, die zuhört, und hat sie deine Freigabe? Die Übersicht fasst die Abschnitte oben zusammen.
| Situation | Kann eine App dich per Beacon orten? | Was dafür nötig ist | Was im Zweifel erfasst wird |
|---|---|---|---|
| Beacon am Regal, keine passende App | nein | nichts, der Beacon sendet ins Leere | nichts |
| Händler-App mit Beacon-Ortung | ja | Ortungsdienste (iPhone) bzw. „Geräte in der Nähe“ plus Standort (Android) | dass die App in der Nähe eines bestimmten Regals war |
| Fremde App mit Werbe-SDK | möglich | die Standortfreigabe dieser App | Standortverlauf, oft verknüpft mit einer Werbekennung |
| Android, Bluetooth aus, „Bluetooth-Suche“ an | weiterhin möglich | eine App mit Freigabe, wie oben | wie oben |
| Bluetooth und „Bluetooth-Suche“ aus | nein | nichts | nichts über Beacons |
So behältst du die Kontrolle
Bluetooth komplett auszuschalten wäre der radikale Weg. Für die meisten ist er unnötig, und er kostet Komfort, etwa bei Kopfhörern. Wirksamer ist es, bei den Apps anzusetzen, denn ohne Freigabe hat auch der beste Beacon keinen Zuhörer.
iPhone: Ortungsdienste pro App prüfen. Laut Apple findest du die Liste unter „Einstellungen“ > „Datenschutz & Sicherheit“ > „Ortungsdienste“. Für jede App gibt es die Stufen „Nie“, „Nächstes Mal oder beim Teilen fragen“, „Beim Verwenden der App“ und „Immer“. Für Einkaufs- und Bonusapps reicht „Beim Verwenden der App“, dann kann das System die App nicht im Hintergrund starten, wenn du einen Laden betrittst. Brauchst du nur die Filialsuche, kannst du in derselben Ansicht „Genauer Standort“ ausschalten.
iPhone: Bluetooth-Zugriff ansehen. Unter „Einstellungen“ > „Datenschutz & Sicherheit“ > „Bluetooth“ zeigt Apple, welche Apps Zugriff auf Bluetooth angefordert haben. Du kannst ihn dort pro App ein- und ausschalten. Eine Rezept-App hat dort eher nichts verloren.
Android: Standortberechtigung pro App. Laut Googles Android-Hilfe öffnest du die Einstellungen, tippst auf „Apps“, wählst die App und dann „Berechtigungen“. Beim Standort gibt es die Stufen „Immer“, „Zugriff nur während der Nutzung der App zulassen“, „Jedes Mal fragen“ und „Nicht zulassen“. Über „Sicherheit und Datenschutz“ > „Datenschutz“ > „Berechtigungsmanager“ siehst du alle Apps mit Standortzugriff auf einen Blick. Die Menüs können je nach Hersteller abweichen.
Android: „Geräte in der Nähe“ prüfen. Im Berechtigungsmanager steht auch diese Berechtigung. Google beschreibt sie so: Die App darf Geräte in der Nähe suchen, sich mit ihnen verbinden und ihre relative Position ermitteln. Für eine App, die mit Kopfhörern oder einer Uhr spricht, ergibt das Sinn. Bei einer Shopping-App lohnt die Frage, wozu sie das braucht.
Android: Bluetooth-Suche abschalten. Ein ausgeschaltetes Bluetooth heißt bei Android nicht automatisch, dass nicht gesucht wird. Der Schalter „Bluetooth-Suche“ erlaubt laut Beschreibung in den Android-Einstellungen, dass Apps und Dienste immer nach Geräten in der Nähe suchen dürfen, auch wenn Bluetooth deaktiviert ist. Ab Android 12 findest du ihn laut Googles Hilfe unter „Standort“ > „Standortdienste“. Ist er aus und Bluetooth ebenfalls, können Apps nicht mehr nach Beacons suchen.
Apps ausmisten. Der InMarket-Fall zeigt, dass Standortdaten auch über Apps fließen können, die mit Einkaufen nichts zu tun haben. Eine App, die du seit Monaten nicht geöffnet hast, aber mit Standortzugriff, ist ein guter Kandidat für die Deinstallation.
Was bleibt
Ein Beacon ist ein kleiner Sender, der ruft und nicht zuhört. Erkennen kann er dich nur über eine App, der du Standort oder „Geräte in der Nähe“ freigegeben hast. Wer das weiß, kann gelassener durch den Supermarkt gehen.
Die eigentlichen Stellschrauben liegen deshalb auf deinem Handy: Standortfreigaben pro App, auf Android zusätzlich „Geräte in der Nähe“ und die Bluetooth-Suche. Apps ohne erkennbaren Grund für Standortzugriff fliegen raus. Der InMarket-Fall zeigt, warum sich das lohnt. Dort flossen Standortdaten laut FTC auch über mehr als 300 Apps anderer Entwickler.
Beacons sind also eher ein Werkzeug für Apps als ein eigener Überwacher. Spannender als das Kästchen am Regal ist deshalb die Frage, welche App in deiner Tasche gerade mithört.
Häufige Fragen
- Was ist ein Beacon?
- Ein Beacon ist ein kleiner Bluetooth-Sender, der in kurzen Abständen eine Kennung aussendet. Apple beschreibt ein iBeacon als Gerät, das ein Bluetooth-Signal abgibt, das andere Geräte erkennen können. Bei iBeacon besteht die Kennung aus einer UUID und zwei Zahlen, bei Googles Format Eddystone aus einer 16 Byte langen ID. Der Beacon selbst empfängt dabei nichts von deinem Handy.
- Kann ein Beacon mein Handy ohne App erkennen?
- Nein. Ein Beacon sendet nur. Erkannt wird er von einer App auf deinem Handy, die gezielt nach seiner Kennung sucht. Dafür braucht die App auf dem iPhone die Erlaubnis für die Ortungsdienste, auf Android die Berechtigung für Geräte in der Nähe und, wenn sie daraus einen Standort ableitet, die Standortberechtigung. Ohne passende App und Freigabe bleibt der Beacon für dein Handy stumm.
- Nutzt Payback Beacons?
- Ja, laut den Datenschutzhinweisen zur Payback App (Stand Dezember 2025). Dort heißt es, die App könne in Gebäuden erkennen, ob du vor einem bestimmten Regal stehst oder daran vorbeigehst, und dafür nutze Payback Beacons. Voraussetzung ist, dass die App Zugriff auf deinen Standort hat und mindestens eine der Techniken GPS, WLAN oder Bluetooth aktiv ist.
- Erkennt mich ein Beacon, wenn Bluetooth aus ist?
- Auf Android unter Umständen schon. Laut dem Beschreibungstext in den Android-Einstellungen können Apps und Dienste über die „Bluetooth-Suche“ jederzeit nach Geräten in der Nähe suchen, auch wenn Bluetooth deaktiviert ist. Ab Android 12 findest du den Schalter laut Googles Hilfe unter „Standort“ > „Standortdienste“. Ist er aus und Bluetooth ebenfalls, können Apps nicht mehr nach Beacons suchen. Wirksamer als jeder Schalter bleibt es, Apps die Standortfreigabe zu nehmen.
- Wie genau weiß eine App, wo ich im Laden stehe?
- Grob genug für ein Regal, aber nicht auf den Meter. Apple beschreibt, dass eine App beim Messen der Signalstärke nur unterscheidet, ob du weit weg, nah oder direkt am Beacon bist. Einen genauen Abstand liefert das laut Apple nicht. Payback schreibt in seinen App-Hinweisen, es könne so erkennen, ob du vor einem bestimmten Regal stehst oder daran vorbeigehst.